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Jugend baut Kirche

Ein außergewöhnliches Projekt – vor allem für die jungen Leute der Evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg. Und auch für die bild-schön medienproduktion. Denn wir haben die Realisierung einer Holzkapelle am Jugendhaus Knappenberg nahe Amberg ein Jahr lang intensiv begleitet.

Kirchen haben die Menschen in früheren Jahrhunderten gebaut – als Symbol für ihren festen Glauben. Doch auch heute werden noch neue Kirchen gebraucht und gebaut. Und so hatten auch die jungen Leute in der Evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz die Idee, eine Kapelle zu bauen. Als Zeichen für ihren Glauben. Keine zwei Jahre hat es gedauert – von der Idee bis zur Weihe der Kapelle durch Schirmherrn Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am 26. November 2017.

Ein bisschen verrückt war ihre Idee schon. Doch bald schon folgte auf dem Traum der Tatendrang. Ideen wurden entwickelt, ein Architekt plante und baute ein Modell, Zuschussanträge wurden formuliert, Aufgaben verteilt und Spenden gesammelt. Und dann kam der lang ersehnte Bescheid für die finanzielle Förderung aus dem EU-Leader-Programm.

Die neue Kapelle ist der spirituelle Begegnungsraum für das Jugendhaus Knappenberg, mitten im Wald gelegen. In den Pfingstferien verlegten die jungen Leute die Leitungen zum geplanten Standort. Und kurz vor den Sommerferien wurde die Kapelle aus großen Holzbauteilen dann bereits aufgerichtet. Jugendliche halfen mit, vor allem bei dem Anbringen von tausenden Holzschindeln an der Außenfassade. 1800 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisteten sie, 35.000 Euro an Spenden sammelten sie ein.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt zur Einweihung: „Ihr habt es geschafft! Wir haben es geschafft! Er ist wirklich ein Wunderwerk geworden, dieser Raum, in dem wir uns heute zum ersten Mal so versammeln. Gemeinsam, mit vereinten Kräften, mit großem Willen, Durchhaltevermögen, Geduld und manchmal auch der nötigen Ungeduld habt Ihr aus einer Idee/einer Vision Wirklichkeit werden lassen. Es war ein Down to the top Projekt, bei dem Ihr, liebe Jugendliche, mit guter Energie, zähem Verhandlungsgeschick, aber vor allem mit einem guten Geist so viele Erwachsene begeistert habt, dass Politiker, Geldgeber, Handwerker, Eltern, Kirchenleute, Euch dabei unterstützt haben, dass aus einer Zeichnung und aus Hölzern ein wunderbarer spiritueller Raum, eine Kapelle, geworden ist. Und auch ein großartiges Symbol in diesem Reformationsjubiläumsjahr. (…) Ich bin stolz auf Euch und auf Sie hier am Knappenberg und sage daher am Anfang meiner Predigt zunächst erstmal ein dickes und großes Dankeschön. Applaus, Applaus für Euch und Sie alle.“

Wir haben das Projekt journalistisch und filmisch intensiv für das Bayerische Fernsehen und die Evangelische Landeskirche begleitet. Die bild-schön medienproduktion hat sich auf die Begleitung von Langzeitprojekten spezialisiert. Außerdem ist das Projekt ein gelungenes Beispiel und eine Referenz für den Einsatz einer Drohne. Immer wieder haben wir das Gelände am Knappenberg beflogen. Entstanden sind herrliche Bilder und Beiträge mit engagierten Jugendlichen.

Unsere Beiträge zum Thema

http://www.ardmediathek.de/tv/Abendschau-Gesichter-Geschichten-B/Projekt-Jugend-baut-Kirche/BR-Fernsehen/Video-Podcast?bcastId=5924750&documentId=39929582

Und der Link zum Architekten:

http://thiemannarchitektur.blogspot.de/2017/11/jugendkapelle-knappenberg_27.html

 

Ein Mal-Sommer in den Bergen

Der Besuch beim „Maler in den Bergen“ war fest vereinbart – seit Monaten. Doch was interessiert das Bergwetter, was sich der Journalist und der Maler ausdenken. Und so fällt der erste Besuchstermin Mitte September hoch oben auf der Alm in Hinterstoder regelrecht ins Wasser.

Wenige Tage vor dem zweiten vereinbarten Termin dann der Anruf von Peter: „Bei uns hat’s 40 Zentimeter geschneit“. Beim Blick auf die Webcam, die die Alm beobachtet, dann die weiße Überraschung. Was tun? An den ersten beiden Tagen kann Peter die Alm nicht verlassen. Doch am dritten Tag kommt dann Almbauer Willi Jansenberger herauf und die Strecke ist mit Allrad und Schneeketten wieder befahrbar.

Wetterkapriolen – sie ziehen sich wie ein roter Faden durch Peters Almsommer. Seine Idee, einen Sommer lang auf der Alm auf 1900 Metern Höhe hoch über Hinterstoder zu malen, ist dennoch gut. Doch der Sommer 2017 war ein durchwachsener. Es fängt schon an als der Transport des neun Tonnen schweren mobilen Atelier-Containers von Gleißenberg im Bayerischen Wald nach Hinterstoder in Oberösterreich und dann hinauf die Alm wegen eines späten Wintereinbruchs um drei Wochen auf den 23. Juni verschoben werden muss.

Seitdem lebt Peter nun auf der Alm – immer wieder auch gemeinsam mit seiner Frau Gabi, die wochenweise herauf kommt. Doch insbesondere der Juli hat es in sich. Ungewöhnlich lange und heftige Gewitter ereilen die beiden auf der Alm, so dass sie sich immer wieder in ihr Auto zurückziehen müssen – schließlich ist der Malcontainer aus Metall und die Gewitter flößen Peter Respekt ein, sagt er.

Unterschiedliche Wetterstimmungen, die hat Peter sich gewünscht. Und die hat er bekommen. Wolkenbehangene dunkle Himmel, über die die Blitze zucken; ein Gewitter in den Wolken unter der Alm und natürlich auch einige herrliche Sommertage. Motive hat er für zwei Jahre gesammelt, so Peter.

Ich kenne Peter nun seit zwei Jahren – als seine Frau Gabi mit ihrer Mannschaft in Gleißenberg die Dt. Meisterschaft im Downhill-Einradfahren ausrichtete. Und als ich nun mit Peters Hilfe über den Schnee herauf komme, erlebe ich endlich einmal, wie seine Bilder entstehen, die freilich nicht viel mit der klassischen Bergmalerei zu tun haben. Almbauer Willi, der sich mit Peter in den Monaten gut angefreundet hat und ihn versorgt, erklärt mir, dass ich ein ganzes Stück weggehen muss von Peters Bildern. Und mit jedem Schritt nach hinten und nach rechts und links verändert sich das Bild.

Eier, eine Schweißerklemme und so genannte Schlagschnüre, wie sie Maurer benutzen um gerade Linien zu ziehen, sind zentral für Peters Malstil. Zunächst rührt er seine Farben mit einer so genannten Eitempera an, mit der die Farben auf der Leinwand gebunden werden. Und wenn seine Eindrücke getrocknet sind, dann kommt der zweite Schritt. In die Schlagschnüre, die in kleinen Dosen aufgerollt sind, füllt er hochwertige farbige Pigmente. Schließlich wird die Schlagschnur am Rande des Bildes mit der Schweißerklemme befestigt. Dann spannt Peter die Schnur über das Bild und schnalzt die Schnur, so dass die Pigmente auf die Ölschicht auf der Leinwand feine Linien hinterlassen. Diese Linien überziehen das ganze Bild und geben diesem den feinen und typischen Charakter.

Reinhard Spieler, Direktor des Sprengelmuseums Hannover und Kurator des Kunstprojektes „Landschaft revisited“: „Peter Lang malt nicht im herkömmlichen Sinne mit dem Pinsel, sondern hat eine eigene Technik entwickelt, bei der er mit Hilfe von in Pigmente getauchten Schlagschnüren Farbpigmente in horizontalen Linien auf die Leinwand bringt. Er bildet nicht im herkömmlichen Sinne Landschaft ab, sondern gestaltet mit dieser ganz eigenen Technik eine Art von Licht- und Farbarchitektur.“

Fleißig war Peter in den Monaten in den Bergen. Mehr als 40 Bilder hat er schon geschaffen. Parallel zum Malen wurden seine Bilder gleich in Hinterstoder ausgestellt, denn Peter ist ja Teil der Aktion „Landschaft revisited“, die moderne Landschaftsmaler hierher nach Oberösterreich bringen soll.

Ein außergewöhnlicher Maler mit einem ebensolchen Mal-Container, der sich hier oben mit seinem gleichmäßigen Licht als perfektes Atelier herausstellt. Noch bis Mitte Oktober will Peter hier bleiben. Wenn der Schnee weg ist, soll der Atelier-Container zurück nach Gleißenberg. Und Peter freut sich nach spannenden Monaten in den Bergen auch wieder auf die Zeit zuhause. In mehreren Ausstellungen wird er die Ergebnisse seiner Mal-Reise nach Hinterstoder vorstellen.

Einige erste Eindrücke von Peters Bildern aus den Bergen.

Meine drei Beiträge über Peter und seinen Malcontainer findet Ihr auf meinem youtube-Kanal:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLTSrVK_8vWBp5-zYKuqPjV-7SB8TJfYmH

 

Über Stock und Stein und hohe Wellen

Bei unserer Expedition in den hohen Norden im Sommer 2017 haben wir vor allem die schwedischen Nationalparks im Blick und – immer wieder – die Lofoten.

Die hohe Küste

Wieder einmal etwas Neues entdeckt in Schweden: das Weltkulturerbe Hohe Küste/Höga Kusten rund 500 km nördlich von Stockholm am Bottnischen Meerbusen. Weltkulturerbestätte. Im Zentrum der Nationalpark Skuleskogen – dort geht es im wahrsten Sinne des Wortes der Stock und Stein. Von der Eiszeit geformt, wächst die Küste jedes Jahr um einige Millimeter in die Höhe. Ein traumhafter Küstenabschnitt mit herrlichen Ein- und Ausblicken auf die Ostsee, mittendrin die Schlucht Slattdalsskrevan, in der ein Teil von Ronja Räubertochter verfilmt wurde. Unbedingt empfehlenswert, auch auf der Durchreise an der E4 in Richtung Lappland, Lofoten und Nordkapp.

Auf der Husky-Farm in Lappland

Wir sind einige Tage auf der Husky-Farm Veijejaur von Uschi und Steffen zu Gast, die hier schon seit 14 Jahren mit ihren Hunden leben. 49 Hunde haben sie, dazu noch den Gasthund Aiko – ein Sibirian Malamute – unsere Wanda ist von ihm besonders angetan … Wir genießen Lappland, riesige Wälder erkunden, Pilze sammeln, Feuer machen und Kanu fahren. Lappland ist das Siedlungsgebiet der Samen in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Als „Laponia“ wurde das Land der Samen länderübergreifend zum Weltkulturerbe erklärt.

Wer Lappland kennenlernen will, im Sommer und im Winter, dem können wir die Husky Farm Veijejaur wärmstens empfehlen. Liebevolle Betreuung durch Uschi und Steffen, wunderbar gelegen, schöne Ferienwohnungen auf einem Hof inmitten von Wäldern!

Mit dem Kajak auf Trolltour

Wo die Berge ins Meer stürzen, da liegen die Lofoten – hoch im Norden von Norwegens Westküste. Sie gehören zu unseren Highlights im hohen Norden – auch wenn das mittlerweile viele andere Camper ebenso sehen.
Bei einer Kajaktour kommen wir den schroffen Bergen dieses Mal besonders nahe – mit Peter im Kajak. Der 40jährige stammt aus Henningsvaer, einem Fischerdorf auf den Lofoten. Er zeigt uns seine Heimat vom Kajak aus.

Lange war unsicher ob wir wirklich starten können. Denn an diesem Augusttag bläst ein kalter Nordwind. Doch Peter kennt das Eismeer rund um sein Heimatdorf und führt uns sicher durch die Gewässer, auch wenn wir dabei gleich zu Anfang ordentlich Wind und Wellen zu spüren bekommen. Später wird die See ruhiger und wir nähern uns einem steilen Bergmassiv. Peter erzählt uns von den Trollen, die einst in dieser Gegend lebten und den Menschen Angst machten. Doch zum Glück waren die Trolle nur nachts unterwegs, denn das Sonnenlicht bedeutete ihren Tod. 

Der Troll Vågakallen stieg einst nachts vom Berg herab, um zu fischen. Doch als er mit dem Boot unterwegs war, kam starker Wind auf und der Troll kämpfte gegen Wind und Wellen, um zum Land zurück zu kehren. Und als er gerade den Berg hinaufkletterte, um zu seiner Höhle zu gelangen, ging die Sonne auf. Und der Troll erstarrte zu Stein. Noch heute kann man ihn oben am Berg sehen – im Fels. Peter paddelt mit uns an die Stelle, an der wir ihn am besten sehen können. Und der ganze Berg trägt nun seinen Namen – der 942 m hohe Vågakallen.

Ein Troll – erstarrt zu Stein – und ein Troll, der mit seiner Axt einen Berg teilt und so den berühmten Trollfjord auf den Lofoten erschafft – die Trolle und Norwegen gehören zusammen. Wir haben dank Peter – mit norwegischem Vater und spanischer Mutter – die Lofoten von einer ganz neuen Seite kennengelernt. Und auch viel über das Leben auf den Inseln gelernt. Der Tourismus führt – mit allen Schattenseiten – zu einem Aufschwung auf den Lofoten. Geschäftstüchtige Menschen wie Peter erweitern das Angebot. Denn Peter hat festgestellt, dass die Menschen auf die Lofoten kommen, um einen aktiven Urlaub zu erleben. Jedoch droht der Erfolg die Inseln und ihre Bewohner fast zu ersticken; vor allem im Juli werden die Lofoten regelrecht von Touristen überschwemmt. Und auch wir haben es dieses Mal so voll wie noch nie erlebt. Und dennoch unsere Ausflüge genossen – an den herrlichen Selfjorden , den Strand von Utakleiv, den Aufstieg auf den Berg Hoven, nach Henningsvaer und auf unseren Lieblings-Campingplatz Sandsletta.

Kiruna – der Umzug hat begonnen

Eines der spektakulärsten Projekte Skandinaviens beobachten wir alle paar Jahre in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens. Die größte Eisenerzgrube der Welt ist Fluch und Segen zugleich für die Stadt. Denn weil die Grube sich immer weiter unter die Stadt gräbt, muss das Stadtzentrum mit Rathaus, Kirche, Geschäften und tausenden Wohnungen umgesiedelt werden. Der neue Bahnhof ist bereits in Betrieb, der alte wird derzeit abgerissen. Auch der Umzug einiger historischer Holzhäuser wird vorbereitet und das neue Kulturhaus ist im neuen Stadtzentrum fast fertig gebaut. Spektakulär und ein großer Eingriff in das Leben der Menschen, Die Kosten für den Umzug trägt die Grubengesellschaft LKAB.

Herbstsommer in Laponia

Der Herbstsommer ist eingezogen. So nennen die Samen in Lappland den August. Sie teilen das Jahr in acht Jahreszeiten, die sich stark an der Natur orientieren. Dieses Jahr ist der Herbstsommer überraschend kühl.
Auf unserem Heimweg besuchen wir noch einmal mehrere Nationalparks im Gebiet der Samen und des Weltkulturerbes Laponia. Immer wieder beeindruckend ist der Nationalpark Abisko zwischen Narvik (Norwegen) und Kiruna (Schweden). Für mich gehört der Landweg von den Lofoten nordöstlich Richtung norwegisch-schwedischer Grenze, über Abisko nach Kiruna zu den spannendsten Strecken Skandinaviens.
Schließlich besuchen wir noch den abgelegenen und einsamen Nationalpark Stora Sjöfallet. Dort gibt es das Welterbe-Zentrum „Laponia“, das erst vor drei Jahren an einem abgelegenen Ort im Nationalpark eröffnet hat. Hier wird von den Samen und ihrem Lebensraum erzählt: „Es wird gesagt, dass man zu einem Stein sprechen soll, wenn es einem nicht gut geht. Rede – und der Stein wird Dir zuhören. Vertrau ihm. Er wird nicht urteilen, er wird nicht kritisieren. Finde Deinen eigenen Stein. Du wirst es spüren, wenn Du ihn gefunden hast.“

 

Die Welt im Umbruch

Die Vorstellung mutet heute merkwürdig an – wenn der Ministerpräsident den Glauben wechselt, dann müssen alle Bürger mit wechseln. Früher war das tatsächlich so: wenn der Herrscher den Glauben wechselte, dann folgten ihm alle Untertanen. Oder sie mussten das Land verlassen. „Cuius regio, eius religio“ – so der Grundsatz hatte früher extreme Folgen für die Untertanen. Zum Beispiel in der Pfalz Neuburg im heutigen Neuburg an der Donau – Thema der großen Ausstellung „Fürsten Macht & wahrer Glaube“ im Reformationsjubiläumsjahr.

In der Pfalz Neuburg mussten die Untertanen gleich mehrfach die Konfession wechseln, weil ihre Herrscher es so wollten. Tatsächlich lässt sich die wechselvolle Konfessionsgeschichte von der Reformation zur Gegenreformation an kaum einem anderen Ort besser erzählen als rund um das Neuburger Schloss. Jede Konfession hat hier auch seine eigene Kirche.

Drei große Ausstellungen in Bayern beleuchten im 500. Jahr der Reformation die spannenden Umbrüche zur Zeit Martin Luthers. Im Neuburger Schloss, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und in der Veste Coburg und der Morizkirche kann man der Reformationsgeschichte aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln begegnen.

Von Katholisch zu Evangelisch

Die wechselvolle Geschichte beginnt mit Pfalzgraf Ottheinrich. Er lernt die neue Lehre Martin Luthers kennen und wechselt 1542 mit seiner jungen Wittelsbacher Pfalz zum Protestantismus. Er lässt die Schlosskapelle als erste evangelischen Kirchbau weltweit einrichten. Eine eigene lutherische Kirchenordnung wird erlassen. Seine zwei Nachfahren bauen die Pfalz Neuburg zum protestantischen Musterstaat aus.

Von Evangelisch zu katholisch

Bis 1614 ist die Pfalz Neuburg 72 Jahre evangelisch. Dann wird Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm zunächst heimlich und dann offiziell katholisch. Und mit ihm schließlich die ganze Pfalz Neuburg. Ein Schlag für seinen Vater – er stirbt. Die Jesuiten helfen Wolfgang Wilhelm bei der Gegenreformation. Andere Untertanen wandern für ihren Glauben aus und verlassen die Pfalz Neuburg.

Von der evangelischen Schlosskapelle über den Fürstengang in die katholische Hofkirche zieht sich die beeindruckende Ausstellung – durch die Jahrhunderte und die Konfessionswechsel. Katholischer Prunk in der Sakristei der Hofkirche. Prächtige Kelche der Jesuiten. Und eine Monstranz, die heute noch im Einsatz ist. Und dann machen die Besucher den Schritt hinaus in die Hofkirche. Die Ausstellung endet in der Kirche, die einst als evangelischer Kirchbau begonnen und schließlich als katholische Kirche vollendet wurde – mit dem „Großen jüngsten Gericht“ von Rubens. Eine Kirche als Symbol für den Wechsel des Glaubens. Eine sehenswerte Ausstellung, die bis zum 5. November ungewöhnliche Einblicke in die Konfessionsgeschichte gewährt.

Bis 5. November 2017, geöffnet Dienstag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr, Eintritt: Erwachsene 8,50 €, Ermäßigt 7,50 €

Zwei weitere hochkarätige Ausstellungen

„Kolumbus, Luther und die Folgen“ beleuchtet in diesem Jahr die große Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Denn auch wenn er es gar nicht wollte, Martin Luther veränderte die Welt. Er brachte das Weltbild der Menschen ins Wanken, ebenso wie Nicolaus Copernicus, der die Sonne in den Mittelpunkt des Kosmos rückte. Und auch Christoph Kolumbus verändert die Welt, in dem er zunächst unwissentlich einen neuen Kontinent entdeckte. Am Ende der Ausstellung der Gedanke vom Leben, das vergänglich ist, wie eine Seifenblase. Homo Bulle est.

Die diesjährige Landesausstellung „Ritter Bauern Lutheraner“ zeigt am authentischen Ort Coburg die Folgen der Reformation für unterschiedliche Teile der Bevölkerung. Die Ausstellung ist aufgeteilt in der Veste Coburg und in der Morizkirche – beide hat Martin Luther 1530 besucht. In der Morizkirche empfangen so genannte Reformationsbotschafter die Gäste. Die Morizkirche, in der Martin Luther sieben Mal gepredigt hat, ist Schauplatz von Reformationgeschichte und Ausstellungsobjekt zugleich – wie auch die stolze Veste hoch über der Stadt. Hier erzählen die Macher vom Haus der bayerischen Geschichte in der Landesausstellung in welche Zeit die Reformation fiel und wie sie auf die Menschen wirkte. Von den Bauern über den Adel bis zum Klerus – sie alle erlebten vor 500 Jahren eine spannende Zeit. Die Welt im Umbruch.