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Auf dem Boden der Tatsachen

Obama und Merkel beim Kirchentag

Wie kann ein US-Präsident mit einem Militäretat von 600 Milliarden Dollar zusehen, wie täglich 24.000 Menschen auf der Welt verhungern? Wie kann er es moralisch vertreten, dass Drohnen lautlos für den Tod von Menschen verantwortlich sind? Und wie geht die Bundeskanzlerin damit um, dass immer noch Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken?

Die Fragen beim Kirchentagspodium mit Angela Merkel und Barack Obama vor dem Brandenburger Tor gingen ans Eingemachte. EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm, Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und vier junge Leute stellten die Fragen – und es wurde ein wider Erwarten spannender Vormittag, für den sich gelohnt hatte, Stunden vorher am Veranstaltungsort zu sein.

Locker beginnt Barack Obama: „First of All: Guten Tag.“ Er erzählt, dass er selbst einst mit der Arbeit bei der Kirche in einem Armenviertel in Chicago begonnen hat. Er zeigt sich sehr optimistisch, appelliert an das Gute im Menschen, ermuntert die vielen jungen Leute im Publikum daran zu glauben, Dinge zum Besseren wenden zu können und ihr Gegenüber mit Güte und Toleranz zu behandeln. Seine Zukunftsaufgabe sieht er darin, junge Menschen davon zu überzeugen, sich zu engagieren.

Für eine Bilanz seiner Amtszeit sei es noch zu früh, kokettiert er. Nach vier Monaten sei er noch zu nah dran. Er habe erst mal ausgeschlafen, mehr Zeit mit Michelle und seinen Töchtern verbracht. Und dann doch: „Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit als Präsident. Wenn man im öffentlichen Leben aktiv wird, dann muss man sich darüber klar sein, dass man nie alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Man wird nicht perfekt sein.“

Sehr stolz sei er auf die Reform des Gesundheitswesens in den USA. Und dass nun 20 Millionen Menschen in dem System krankenversichert sind. Nur kurz schneidet er an, dass die Krankenversicherung schon wieder bedroht ist. Weil Trump sie abschaffen will – sagt er natürlich nicht. Kein Wort zu seinem Nachfolger. Lediglich dass er – Obama – nun das Staffelholz an den nächsten Staffelläufer weitergegeben habe.

Warnung vor Nationalismus

Obama warnt vor Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratischen Strömungen. Die Weltordnung sei nach Jahren des Friedens und Wohlstands am Scheideweg. Und dann die Frage nach dem Widerspruch eines unvorstellbaren Militäretats und Menschen, die verhungern. Obama: Es gehe darum den Menschen in den ärmeren Ländern nicht nur Fische zu geben, sondern zu erklären, wie man selber fischt. Das heißt Gesellschaften zu schaffen, die sich selbst tragen und nicht nur Schecks zu schicken. Und ein großer Teil des Militäretats werde ja auch dafür eingesetzt, Krisen in anderen Ländern zu mildern. In diesem Zusammenhang erinnerte Angela Merkel an die Hilfe für die Jesiden im Irak.

Angela Merkel stimmt Barack Obama zu. Nie könne man seine Vorstellungen zu 100 Prozent umsetzen. Und dennoch sei Optimismus angesagt. Das haben die Deutschen bewiesen als sie 2015 Mitgefühl und Solidarität gezeigt haben für die Flüchtlinge. Und dann wird sie gefragt, wie sie mit den Flüchtlingen umgeht, die im Mittelmeer ertrinken. Deutsche Soldaten, so entgegnet sie, hätten 20.000 Menschen im Mittelmeer gerettet. Und sie habe das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei geschlossen.

Dann noch die Frage eines jungen Menschen nach dem Einsatz von Drohnen, um Terroristen zu töten. Wie geht der Friedensnobelpreisträger damit um, dass dabei auch Zivilisten sterben? Da hat Barack Obama eine klare Antwort: wir müssen unsere Länder vor Terrorismus schützen. Man versuche zivile Opfer zu vermeiden. Er muss aber auch daran erinnern, dass die Terroristen Leute sind, die bei Veranstaltungen wie dem Kirchentag eine Bombe zünden würden. Wir müssen sie bekämpfen, sagt Obama.

Tiefgang

Eine Kirchentagspodium mit Tiefgang. Und das war ja so gar nicht zu erwarten. Und es gab auch sehr unterhaltsame und komische Momente. Wobei es Angela Merkel war, die die Lacher und Sympathien auf ihrer Seite hatte. Als EKD-Ratsvorsitzender und Moderator Heinrich Bedford-Strohm zu einer Frage ansetzt und sagt „Wenn ich den lange Zeit mächtigsten Mann der Welt neben mir sitzen habe“ guckt Angela Merkel amüsiert und unterbricht Bedford-Strohm und sagt: „Ich hab so geguckt, weil neben Ihnen sitze jetzt erstmal ich …“ Riesiges Gelächter, 1:0 Merkel!

Später konfrontiert Bedford-Strohm Merkel mit einer Szene vom Nockherberg, in der es darum geht, dass Protestanten nicht fröhlich sein können. Daraufhin führt Merkel die Franken (!) als Gegenbeispiel an: „In Franken ist völlig klar, man darf, man kann evangelisch sein und fröhlich sein und zu nichts gezwungen werden.“ 2:0

Inside Vatican – mit Georg Gänswein

„Wo sie reingekommen sind, da muss auch ein Obama rein“, sagt Erzbischof Georg Gänswein mit einem Augenzwinkern. „Sie sind hier auf ganz historischem Boden. Und wenn die Räume erzählen könnten, die könnten viel Spannendes, nicht immer Schönes aber ganz Menschliches erzählen.“ Wir sind zu Gast in der so genannten Zweiten Loggia des Apostolischen Palastes beim Präfekten des päpstlichen Hauses. Bei Georg Gänswein. Im Herzen des Vatikans. Dort wo Papst Franziskus bei seinen Audienzen seine Gäste empfängt. In zwei Stunden empfängt der Papst hier wieder seine Gäste, doch jetzt nimmt sich Erzbischof Georg Gänswein eine Stunde Zeit für uns.

Charmant und freundlich präsentiert er sich. Schnell lässt unsere Anspannung nach; wir haben es hier mit einem ganz normalen Menschen zu tun, der allerdings eine außergewöhnliche Aufgabe hat. Er gewährt der bild-schön medienproduktion ein Interview für unsere aktuelle Produktion für das FWU Institut für Film und Bild. Für den Schulfilm „Der Papst – das Oberhaupt der katholischen Kirche“. Und um Einblicke in das Leben und Wirken der Päpste zu bekommen, ist Georg Gänswein genau der Richtige. Johannes Paul II., Benedikt und Franziskus sind ihm wohl vertraut. Bis heute ist er Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt, lebt mit ihm zusammen in einem früheren Kloster in den Vatikanischen Gärten. Und als Präfekt des päpstlichen Hauses koordiniert er für den amtierenden Papst Franziskus dessen Audienzen.

Der Frühaufsteher

Papst Franziskus, so berichtet Erzbischof Gänswein, ist ein Frühaufsteher. Es ist ja bekannt, dass er die päpstliche Wohnung einen Stock über den Audienzräumen, in denen wir gerade sind, nicht bewohnt. Es sei wohl ein bisschen falsch verstanden worden, als Papst Franziskus sagte, dass ihm das alles zu luxuriös sei, so unser Interviewpartner. Und nein, Franziskus Vorgänger seien keine „luxuriösen Burschen“ gewesen. „Wer Benedikt kennt, wer Johannes Paul II. kennt, der weiß, dass ist völliger Schwachsinn.“ Aber Franziskus sage, ich kann das nicht, ich will das nicht, deshalb lebe er im Gästehaus Santa Maria. Als Jesuit habe er immer in kleinen Räumen gewohnt und er könne schlicht nicht in größeren Räumen wohnen.

Gegen 9.30 Uhr kommt er an normalen Tagen herüber in den Apostolischen Palast, Gänswein holt ihn unten ab, sie fahren in den zweiten Stock und Papst Franziskus empfängt Besucher. Das können enge Mitarbeiter der Kurie sein, Bischöfe irgendwo aus der Welt, alte Bekannte aus Argentinien oder Staatsgäste. Denn der Papst ist Oberhaupt von rund einer Milliarde Katholiken und zugleich Staatsoberhaupt des kleinsten Staates der Welt – des Vatikanstaats. Knapp vier Kilometer geht man und schon ist man um den ganzen Staat mit Petersplatz, Petersdom, Vatikanischen Museen und Gärten herumgelaufen. Für mich bei meinen Romreisen eine kuriose wenn auch nicht gerade malerische Joggingrunde.

Deutscher Friedhof und Vatikanische Gärten

Jeder deutsche Besucher hat die außergewöhnliche Möglichkeit neben Petersplatz, Petersdom, Kuppel und Papstgräbern auch den deutschen Friedhof im Vatikanstaat zu besuchen. Dafür muss man an der linken Kollonadenreihe zur Schweizer Garde gehen und um den Besuch des Deutschen Friedhofes bitten. Nach einer Sicherheitskontrolle wird man eingelassen. Und dieser kleine Friedhof im Vatikan ist einen Besuch wert. Und noch etwas darf man als Besucher nicht verpassen, wenn man tiefere Einblicke in den kleinsten Staat der Erde gewinnen möchte: ein Besuch in den Vatikanischen Gärten. Das ist nur mit Führung möglich, kostet im Paket mit den Vatikanischen Museen rund 30 Euro und ist sehr spannend. Mit einer Führerin bewegt man sich recht frei durch die Gärten, vorbei am Altersruhesitz von Papst Benedikt, Radio Vatikan und unzähligen Brunnen, Gartenanlagen und der nachgebauten Grotte von Lourdes. Man muss diesen Besuch nur unbedingt vorher buchen:

https://biglietteriamusei.vatican.va/musei/tickets/do?action=booking&codiceLivelloVisita=4&step=1

Immer wieder begegnet man in den Vatikanischen Gärten Polizisten. Die Schweizer Garde bewacht seit Jahrhunderten den Papst. Und so begleiten uns auch auf dem Weg zum Interview mit Erzbischof Gänswein Schweizer Gardisten. Spannend ist der Weg durch den Vatikan.

Die Geschichte des Vatikan’ – ein eigenes Kapitel. Georg Gänswein gibt uns eine kurze Einführung. Am heutigen Ort leben die Päpste erst seit einigen Jahrhunderten. Zuvor waren sie am Lateran; die Lateranbasilika ist bis heute der Sitz des Bischofs von Rom – und das ist der Papst. Die Welt hat sich verändert im Lauf der 2000 Jahre der Päpste. Doch ihre zentrale Aufgabe ist geblieben. Der Papst ist Nachfolger Petri, des ersten Apostels und ist damit Zeuge der Auferstehung Christi. Das ist die erste und ursprüngliche Aufgabe des Papstes; weitere vor allem „politische“ Aufgaben sind im Lauf der Jahrhunderte dazu gekommen, so Gänswein. Wir sind am Ende unseres Interviews angelangt: Die Welt ist aus den Fugen geraten, sagen manche. Ist es da für den Papst nicht unglaublich schwierig sein Amt auszufüllen, fragen wir? „Ich bin überzeugt davon“, so Gänswein, „dass es Verwirrung, Schwierigkeiten, politische Unsicherheiten früher nicht weniger gab als heute. Vielleicht ist die Gefahr, dass die Welt sich selber vernichten kann durch die grausamen Atomwaffen so groß wie noch nie. Aber es gab immer Kriege, immer Schwierigkeiten, Personen, die gelitten haben. Und da ist es wichtig, dass der Papst von seinem eigentlichen Dienst, nämlich der Verkündigung des Evangeliums, von der Bezeugung der Auferstehung Christi nicht abweicht. Das gibt den Menschen, denen die glauben, aber auch vielen über die Grenzen der Kirche hinaus Hoffnung und auch inneren Halt.“

Generalaudienz

Am Ende gibt es die traditionellen Geschenke des Vatikans. Einen Rosenkranz und ein Bildchen von Franziskus. Den Rosenkranz sollen wir dann auch zur Generalaudienz mitbringen, denn dort wird er vom Papst gesegnet. Mittwoch, 10 Uhr, Petersplatz oder Audienzhalle, da kann jedermann dem Papst begegnen, wenn dieser gerade in Rom weilt. Wir dürfen im Tross der Kollegen sehr nah ran an den Pontifex. Die eigentliche Audienz ist eine eher schlichte Veranstaltung – der Papst hält eine kurze Andacht und Mitarbeiter der Kurie tragen die Übersetzungen in unterschiedlichen Sprachen vor und begrüßen die Gäste. Spannend ist es am Anfang und am Ende. Denn dann taut Papst Franziskus der „Menschenfischer“ richtig auf und geht auf die Menschen zu. Zunächst fährt er mit einem offenen Papamobil durch die Reihen der Pilger, segnet Kinder, nimmt einige auf der Rundfahrt mit und winkt den Menschen zu. Und am Ende der Audienz werden ihm noch einige besondere Besuchergruppen vorgestellt und er schüttelt viele Hände. Ganz am Ende läuft er mit großer Freude vier Reihen von Rollstuhlfahrern ab – jeder wird einzeln und persönlich begrüßt und gesegnet. Da läuft Franziskus zur Höchstform auf, da lebt er auf!

Und man hat auch etwas schlichtes Mitleid mit dem Pontifex, mit dem Oberhaupt von einer Milliarde Katholiken. Nämlich dann, wenn er die vielen zum Teil sehr grusligen Geschenke entgegen nehmen muss. In diesen Augenblicken wird es absurd. Denn wer sich nur ein wenig mit diesem Mann beschäftigt hat, der weiß, dass er ein sehr einfaches Leben bevorzugt. Und was will er da mit Wandtellern, bronzenen Statuen und Nippes, den er allein an diesem Mittwoch geschenkt bekommt…

 

Auf den Spuren von Luther in Rom

Ein sonniger Sonntag in Rom im April – wir starten zu einer evangelischen Runde in der katholischen Stadt. Im Zentrum der katholischen Weltkirche, wo die Päpste Luther einst verbannten und ihn zwingen wollten zu widerrufen, suchen wir die Spuren von Martin Luther. 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation und 200 Jahre nach dem ersten evangelischen Gottesdienst in Rom.

Christuskirche

Wir starten an der Piazza Barberini, vorbei an der amerikanischen Botschaft in die Via Toscana 7 in die einzige evangelische Kirche von Rom, die Christuskirche. Sonntagsgottesdienst um 10. Neben den Gemeindemitgliedern sind dieses Mal auch eine bayerische Reisegruppe und der ehemalige Landesbischof Johannes Friedrich mit seiner Frau gekommen. Die Gemeinde besteht aus rund 500 vorwiegend Deutschen, die in Rom leben, viele nur auf Zeit. Ein ständiger Wandel begleitet die Gemeinde. Und auch Pfarrer Jens-Martin Kruse wird im nächsten Jahr die Gemeinde wieder verlassen, denn die Pfarrstelle wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Wechsel besetzt.

Palazzo Caffarelli auf dem Kapitol

In diesem Jahr feiert die Gemeinde auch ihre eigene Geschichte. Vor genau 200 Jahren, zum 300. Jubiläum der Reformation 1817 kam unter den wenigen Evangelischen in Rom der Wunsch auf, in der ewigen Stadt Gottesdienst zu feiern. Im heute noch existierenden Caffè Greco, wo sich die Deutschen trafen, warb man für den Gottesdienst. Gefeiert wurde er allerdings noch im Verborgenen: in der Wohnung des preußischen Gesandten, quasi des Botschafters. Später wurde dann im Palazzo Caffarelli auf dem Kapitol in der Preußischen Gesandtschaft eine eigene Kapelle eingerichtet. Unser Weg führt uns auf den Kapitol-Hügel, einst das Machtzentrum Roms und heute der Sitz des Rathauses. Dort steht noch heute der prächtige Palazzo. Von einer Dachterrasse hat man einen tollen Blick über Rom – und direkt darunter lag einst die Kapelle.

Piazza Martin Lutero

Weiter geht’s in Richtung Colosseum, nicht weit entfernt vom Kapitol. In einem Park in Sichtweite des Colosseums gibt es für Evangelische eine kleine aber feine Sensation: einen Platz mit dem Namen Martin Luthers. Der Piazza Martin Lutero ist nicht gerade ein Hot Spot von Rom. Aber es gibt ihn. Durchaus an einer Stelle, wo man als Tourist mal vorbei schauen kann. Ein Brunnen, ein paar Bäume, es gibt schlimmere Ecken in Rom. Und einen kleinen Kiosk mit starkem guten Cappuccino, also kein Grund zur Klage. Die evangelische Gemeinde von Pfarrer Kruse hatte einen Antrag an die Stadt gestellt, einen Platz oder eine Straße nach dem Mann zu benennen, der den römischen Päpsten durchaus viel Kopfzerbrechen bereitet hat und den sie zum Widerruf seiner Thesen zwingen wollten. Die Geschichte ist bekannt; Luther blieb hart, der Papst belegte ihn mit einem Bann, Luther war vogelfrei.

Gewünscht hatte sich die Gemeinde einen Platz, eine Straße oder eine Lutherstiege nahe der Piazza del Popolo, denn dort ist Martin Luther wohl auch tatsächlich gewesen. 1510 oder 1511 war er vermutlich in Rom, als Mönch und Pilger. Damals hatte er Rom als „gotteslästerliches Treiben“ erlebt und sein Besuch war auch ein Ausgangspunkt für seine Thesen.

Der Nicht-Katholische Friedhof

Vom Colosseum geht es mit der U-Bahn weiter zur Station Pyramide. Direkt hinter der steinernen Cestius-Pyramide befindet sich der magischste Ort der Protestanten in Rom – der Friedhof für die Menschen, die nicht katholisch sind. Eine herrliche Oase, mit wundervollen Gräbern. Als im 18. Jahrhundert immer mehr Ausländer nach Rom kamen, die nicht katholisch waren, durften sie nicht auf den katholischen Friedhöfen bestattet werden. Und so wurde 1821 außerhalb der Stadtmauern dieser Ort eingerichtet. Die Gräber, sie erzählen viele Geschichten. So das Grab des britischen Dichters John Keats oder Gräber der Familie von Goethe. Hier kann man gut verweilen und sich von der Stadt erholen.

Schließlich noch ein Besuch auf dem Petersplatz und Petersdom. Er ist der Endpunkt einer Suche auf den Spuren von Martin Luther in Rom. Als Protestant treibt einen hier die Frage um, wie Martin Luther diesen Ort im Lauf der Jahrhunderte „bewegt“ hat bzw. wie viele Schweißperlen er den Päpsten auf die Stirn getrieben hat.

500 Jahre nach der Reformation hat sich auch die Einstellung des Vatikan zu Martin Luther und den Evangelischen stark gewandelt. Mit Johannes Paul II. hat 1983 erstmals ein Papst die evangelische Christuskirche in Rom besucht. Und auch Benedikt und Franziskus waren hier und feierten mit der Gemeinde Gottesdienst. Der EKD-Ratsvorsitzende und Bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist schon mehrfach herzlich von Papst Franziskus empfangen worden – die beiden haben einen guten Draht zueinander, sagt man. Und jetzt gab es im Vatikan sogar eine Tagung „Luther – 500 Jahre danach“, bei der es laut dem Kirchenhistoriker Berndt Hamm darum ging Luther „positiv zu würdigen als Vertreter einer Theologie, von der die katholische Kirche auch heute lernen kann.“

Foto oben: Der Facchino-Brunnen in der Via Lata in Rom. Dem Volksmund zufolge stellt die Figur Martin Luther als Wasserträger dar. Deshalb ist ihr Antlitz von zahlreichen Steinwürfen fast bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

Ein paar Links zum Thema:

https://www.luther2017.de/de/neuigkeiten/als-moench-zu-fuss-nach-rom-luther-in-der-ewigen-stadt/

http://www.sonntagsblatt.de/artikel/kultur/protestanten-auf-dem-kapitol

https://www.domradio.de/themen/ökumene/2015-09-16/rom-hat-jetzt-einen-martin-luther-platz

https://www.luther2017.de/de/neuigkeiten/als-moench-zu-fuss-nach-rom-luther-in-der-ewigen-stadt/

Bild-Sommer im Atelier-Container

Künstler und ihre Kunst – sie erweitern unseren Horizont, wenn wir uns auf sie einlassen. Und bei Peter Lang gilt das ganz besonders. Denn der Horizont ist, wenn man so will sein Thema. Denn der Künstler hat sich der Landschaftsmalerei verschrieben – und wenn er malt, dann will er dem Horizont ganz nahe sein.

Peter Lang (51) ist ein erfolgreicher Künstler aus Gleißenberg im Landkreis Cham. In den letzten Jahren entstehen seine großformatigen abstrakten Landschaftsbilder oft auf Reisen mit seinem Atelier-Container an entlegenen Orten auf den Kontinenten. Er hat ein halbes Jahr in Patagonien im Süden von Chile gemalt, in den Norwegischen Fjorden und in Island. In diesen Tagen spannt er wieder einmal Leinwände auf und packt sie ein – bis zu 80 passen in den Container. Sobald die Alpen schneefrei sind – vermutlich Ende Mai – wird der Container per Tieflader auf eine Alm im Toten Gebirge in Österreich gebracht. Den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein wird er auf 1800 Metern auf der Alm leben und arbeiten. Wir begleiten ihn dabei für die Abendschau im BR Fernsehen, besuchen ihn bei den Vorbereitungen im Atelier, begleiten den Transport des Containers nach Hinterstoder hinauf auf die Alm. Und wir besuchen ihn, wenn er malt bei seinem, wie er sagt „Bild-Sommer“ auf der Alm.

Atelier und Container von Florian Nagler

Mit seiner Idee vom Atelier-Container hat er für sich persönlich den Horizont erweitert. Denn ein Landschaftsmaler muss hinaus in die Natur, um seine Objekte zu finden. Und in seinem genialen Container, den ebenso wie sein dreischiffiges Atelier in Gleißenberg der Münchner Architekt Florian Nagler entworfen hat, kann er wohnen und arbeiten zugleich. Darin findet sich auf einer Art großen Terrasse ein Atelier; im Inneren gibt es eine Küche, ein Schlafzimmer und ein Bad. Und Peter Lang kann sich mit dem mobilen Atelier den Urgewalten der Natur aussetzen, kann die vielen Wetterwechsel dieses Mal in den Alpen miterleben. Wechselnde Lichtverhältnisse seien für seine Kunst sehr wichtig, sagt er. Nichts sei langweiliger als gleichbleibendes Wetter. Denn: „So richtig schee ist’s, wenns gräuslich ist“.

Auf seine Kunst muss man sich einlassen. Auch in ihr spielt der Horizont eine große Rolle. Seine Bilder entstehen durch horizontale Linien, die er mithilfe von Schnüren zeichnet.  Als Farbe setzt er hochwertige Pigmente ein, die sein Pigment-Lieferant u.a. bei dem Besuch von Peter Lang in Island in der Form von Steinen mit nach Hause gewonnen hat.

Gerade hat er eine Ausstellung mit in der Regensburger Galerie Art Affair nahe dem Rathaus eröffnet. Und im nächsten Jahr sollen viele Ausstellungen mit den neuesten Werken aus dem Toten Gebirge in Österreich folgen.