Sternstunden: Jüdische Soldaten

Wer den Beruf des Journalisten ergreift, der erlebt immer wieder einmal Sternstunden. Immer dann wenn ich Menschen treffe, die etwas Besonderes an sich haben, eine Botschaft, Charisma vor allem, die etwas ausstrahlen, dann sind das für mich Sternstunden. Ich durfte in Berlin den prominenten Juden Rafael Seligmann interviewen, Autor des „Musterjuden“, heute Herausgeber der Zeitung „Jewish Voice from Germany“.

Er lebt fröhlich vor, wie er sich jüdisches Leben in Deutschland heute vorstellt: nachdenklich, nicht verbittert, humorvoll und klug kommentiert er das Geschehen unser Land. Seligmann sagt, deutsche Juden sollen ganz normaler Teil der Gesellschaft sein und nicht glauben, bessere Staatsbürger sein zu müssen. Juden haben eine 1600jährige Tradition in Deutschland, sie müssen nichts beweisen.

Was mir auch sehr gut gefallen hat: Unsere Gesellschaft besteht aus Minderheiten, so Seligmann. Und wer Juden verfolgt, der verfolgt irgendwann auch andere Minderheiten. Deshalb muss die Gesellschaft wachsam sein.

Anlass für das Interview, das ich mit ihm führen durfte, war ein spannendes Stück seiner Familiengeschichte. Sein Großvater Isaac Raphael Seligmann, von dem er seinen Namen hat, 1873 im schwäbischen Ichenhausen geboren, zog 1914 als Kriegsfreiwilliger in einem bayerischen Regiment in den Ersten Weltkrieg. Bis zum Ende des Krieges 1918 befehligte er an der Front in Frankreich eine Kompanie – als jüdischer Feldwebel-Leutnant, wurde wie durch ein Wunder zumindest körperlich nie verwundet. Für Juden wie ihn war es selbstverständlich als patriotische Deutsche in den Krieg zu ziehen. Dahinter steckte auch die Hoffnung endlich die volle Anerkennung als Deutsche zu bekommen.

Er bekam Orden, im Februar 1935 noch das Frontkämpferverdienstkreuz, hatte er doch vier Jahre lang an der Front seinem Heimatland gedient. Doch das Alles nutzte nichts. Als im Herbst 1935 die Nürnberger Rassegesetze erlassen wurden, versenkte Großvater Seligmann seine Orden im Flüsschen Günz in Ichenhausen und die Familie ging nach Palästina.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/stationen/stationen-juedische-soldaten-100.html

Eine Produktionen für das Magazin „Stationen“ der Redaktion „Kirche und Welt“ im Bayerischen Fernsehen:

Vesperkirche Schweinfurt

10.000 Gäste in drei Wochen

Ein voller Erfolg war die Vesperkirche in Schweinfurt im Januar und Februar 2015. Die Idee stammt aus Baden-Württemberg:

Eine Kirche wird zum Treffpunkt und Gasthaus. Drei Wochen lang konnten in der St. Johanniskirche in Schweinfurt Gäste für 1,50 Euro ein Mittagessen und gute Gespräche bekommen. Ziel war es, dass fremde Menschen sich kennenlernen und austauschen. Und dieses Ziel ist erreicht worden, mithilfe von 200 Ehrenamtlichen, die abwechselnd den Service in der Kirche übernahmen. Die wurde zu einem gemütlichen Gasthaus umfunktioniert.

Mit 250 Gästen pro Tag wurde kalkuliert, am Ende kamen an manchen Tagen 500 Gäste und mehr – ingsgesamt über 10.000 in drei Wochen. 2016 soll die erfolgreiche Aktion wiederholt werden.

Miteinander für Leib und Seele, so dass Motto der Vesperkirche in Schweinfurt.

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