Bei den Samen und Rentieren

Im Sommer gehören sie zum Schrecken der Autofahrer, die Rentiere. Sie überqueren gemächlich die Straßen oder machen es sich dort bequem. Autos nehmen sie nicht als Gefahr wahr und dass darin Menschen sitzen, wird ihnen erst bewusst, wenn diese aus dem Auto aussteigen. Im Winter erinnern im hohen Norden nur die Schilder in den Rentierzuchtgebieten an diese Hirschart. Denn die Tiere ziehen im Winter in großen Herden ins Hinterland. Und so hab ich mich schon darauf eingestellt, keine Rentiere zu treffen.

Doch dann habe ich angesichts des Wetterberichts beschlossen für die Reise zurück in den Süden nicht die verregnete Küste sondern das Inland zu wählen. Und es war eine gute Entscheidung, denn wenn man durch die ausgedehnten Gebiete der Samen im Grenzgebiet zwischen Norwegen, Schweden und Finnland fährt, dann erfährt man, was Weite ist. Und man trifft Rentiere. Wenn es Euch mal zu eng wird in Mitteleuropa, dann fahrt hierher. Bei meiner Fahrt durch das nördliche Finnland sind mir kaum Menschen begegnet, aber viele Rentiere.

Reiseroute
Meine Reiseroute. Quelle: Google

Auf meiner Route über Karasjok und Kautokeino in Norwegen und durch Finnland bis Kilpisjärvi fahre durch das Land der Samen. Es wird geschätzt, dass etwa 140.000 von ihnen im Norden von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland leben. Die meisten in Norwegen und dort gibt es in Karasjok auch das Parlament, wo die Minderheit um ihre Rechte kämpft. Auch die schwedischen Samen haben ein solches Parlament. Den Samen ist das Recht vorbehalten, Rentiere zu züchten. Denn die Herden hier oben leben zwar in der Wildnis und ziehen umher, doch sie werden mehrmals im Jahr mit Helikoptern und Scootern zusammengetrieben. Dann werden die Jungtiere markiert und andere Tiere geschlachtet. Schließlich sind die Rentiere die Lebensgrundlagen der wenigen Samen, die noch Rentiere züchten.

Zwischen Karasjok und Kautokeino begegnen mir erst einige wenige Tiere. Doch dann werden es immer mehr und plötzlich lagert eine riesige Herde entlang der Straße. Die Tiere suchen unter dem Schnee nach Flechten, was an diesem warmen Spätwintertag offensichtlich klappt. Denn der Klimawandel hat auch für die Rentierzucht folgen. So taut mittlerweile der Schnee auch während des Winters an und friert dann an kälteren Tagen wieder fest. Und durch den gefrorenen Schnee können die Rentiere die Flechten, ihre Hauptnahrung, nicht riechen. Mittlerweile müssen die Rebtierzüchter deshalb auch zufüttern. Immer wieder sieht man große Futterballen am Straßenrand liegen.

Weiter geht es durch die beeindruckende Landschaft der Finnmark und Lapplands zurück zu meinem Ausgangspunkt Tromsø.

 

 

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