Der Johannisfriedhof – ein Nürnberger Bilderbuch

Kunst und Ästhetik, Mystik und Glauben, Stadt- und Religionsgeschichte, menschliche Schicksale, Humor und Trauer  – der Johannisfriedhof in Nürnberg ist einen spannender Ort. Deshalb ist ein Besuch auf dem evangelischen Friedhof im Nürnberger Stadtteil St. Johannis unverzichtbar. Er ist weltberühmt – gemeinsam mit seinem kleineren Bruder St. Rochus – und beide rücken sie im Jahr 2018 besonders in den Blickpunkt. “Ein Bilderbuch der Stadtgeschichte” ist der St. Johannisfriedhof für Pfarrer Ulrich Willmer von der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis – mit ihm erkunden wir den Friedhof. Im Auftrag der Evangelischen Landeskirche produzieren wir zwei Beiträge für bayern-evangelisch.de.

Mit einem Erlass vom 31. Oktober 1518 verfügte Kaiser Maximilian I., dass Bestattungen nur noch außerhalb der Nürnberger Stadtmauern stattfinden dürfen – zum Beispiel auf dem St. Johannisfriedhof. Und dieses 500jährige Jubiläum wird im Herbst 2018 mit allerlei Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Allerdings ist der St. Johannisfriedhof deutlich älter als 500 Jahre.  1234 wurde in St. Johannis ein so genannter Siechkobel für die Betreuung von Leprakranken eingerichtet. Und im 14. Jahrhundert wurde der Siechkobel in St. Johannis nach Osten um einen Pestfriedhof erweitert.

Was den Johannisfriedhof so besonders macht, sind die rund 6500 Grabstätten. Sie sind als liegende Steinsarkopharge angelegt, darauf die hochwertigen aus Messing und Bronze gefertigten Tafeln, die sogenannten Epitaphien. Nimmt man sich Zeit und Geduld, dann kann man auf den Epitaphien tiefe Einblicke gewinnen. Pfarrer Ulrich Willmer von der St. Johannis-Kirchengemeinde zeigt uns das wohl berühmteste Grab des Friedhofs – das von Albrecht Dürer. Aber auch das kuriose Grab des Ratsherren Andreas Georg Paumgartner – kurios weil sich der Unterkiefer des Totenschädels auf dem Epitaph bewegen lässt. Außergewöhnlich – und gut versteckt – das Epitaph von William Wilson. Er war der erste Lokomotivführer in Deutschland, der 1835 den “Adler” zwischen Nürnberg und Fürth steuerte. 1862 starb der Brite in Nürnberg. Aber auch die Grabstätten weniger bekannter Nürnberger sind spannend. Sie erzählen Geschichten von hoher Kindersterblichkeit oder zeigen kunstvolle Epitaphien mit Abbildungen vom Handwerk des Verstorbenen.

Der Johannisfriedhof ist ein lebendiger Ort, wenn man das so sagen darf. Besucher, Mitarbeiter und natürlich Angehörige sind auf dem steinernen Gräberfeld unterwegs. Und überall finden sich Grabstätten mit dem Hinweis, dass man sich hier bestatten lassen kann. Denn der Johannisfriedhof ist kein Museum – immer wieder werden hier Menschen beerdigt; die Trauerfeiern finden in der Johanniskirche mitten auf dem Friedhof statt. Familiengräber werden von Generation zu Generation weitergegeben; so zum Beispiel in der Familie von Loewenich. Auch der frühere Landesbischof Hermann von Loewenich ist auf dem Johannisfriedhof begraben. Informieren kann man sich auf http://www.st-johannisfriedhof-nuernberg.de

Und noch ein Tipp: der Nürnberger Stadtteil St. Johannis rund um den Johannisfriedhof lädt zu vielfältigen Entdeckungen ein. Nur wenige Meter entfernt vom Friedhof in der Johannisstraße 43-47 die öffentlich zugänglichen Hesperidengärten. Ein weiterer Barockgarten, weniger bekannt und noch viel lauschiger, findet sich in der Johannisstraße 13  – vom Johannisfriedhof Richtung Altstadt auf der rechten Straßenseite. An dem Wohnhaus verrät eine Tafel, dass man tagsüber durch die nicht versperrte Haustür den Barockgarten betreten kann. Wer sich hineinwagt wird dort wie auf dem Johannisfriedhof in eine andere Welt eintauchen und die Stadt hinter sich lassen.

Ein Engel schwebt herab

Ein früher Morgen über den Dächern von Nürnberg. Die Tage Mitte Juni sind lang, den Sonnenaufgang drehe ich um kurz nach 5. Und dann öffnet Susanne Bammessel, Touristenpfarrerin in St. Lorenz ihre Kirche für einige wenige Journalisten und Kameraleute. Ja wir genießen Privilegien, aber in diesem Fall muss man dafür sehr früh aufstehen. Und viele Treppen steigen.

Denn vom menschenleeren immer wieder faszinierenden Kirchenschiff von St. Lorenz steigen wir hinauf auf den Dachboden. Dort steht mittendrin eine 500 Jahre alte Winde. Sie wird heute eine Hauptrolle spielen. Denn sie gehört zum Engelsgruß von Veit Stoß, der heute heruntergelassen wird. Für Susanne Bammessel und ihre Kolleginnen und Kollegen ein ganz besonderer Tag. Denn nur alle paar Jahre wird das außergewöhnliche Kunstwerk heruntergelassen.

Der Engelsgruß

Immerhin eine Tonne wiegt das aus einem Lindenbaum geschnitzte Kunstwerk. Und es hat eine außergewöhnliche Geschichte. Bildhauer Veit Stoß fertigte es im Alter von 70 Jahren im Auftrag von Anton II. Tucher. Eineinhalb Jahre arbeitete er daran und bekam dafür 550 Gulden – eine Menge Geld. Doch noch wichtiger – Veit Stoß rehabilitierte sich mit dem Werk. Denn er hatte einst einen Schuldbrief gefälscht und in der Folge seine Bürgerrechte verloren. Mit dem Engelsgruß rettete der berühmteste Bildhauer der Spätgotik seine Ehre.

Das Werk zeigt, wie der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria verkündet, dass sie Jesu gebären wird. Viele Engel umrahmen die Szene – einer trägt ganz unten die ganze Last. Dazu gibt es sieben Medaillons mit biblischen Szenen, die an einem Kranz aus 50 Rosen rund um die zentralen Figuren angeordnet sind. Und ganz unten hängt eine Schlange mit angebissenem Apfel. Überall entdeckt man spannende Details. Das Werk wird sehr ausführlich interpretiert – unter anderem als Mittler zwischen „Himmel und Erde“.

Jetzt geht’s los

Und jetzt soll es der Erde wieder ein bisschen näher kommen! Ein Dutzend Menschen sind gekommen: Pfarrerinnen und Pfarrer der Lorenzkirche, Architekten, Restauratoren und Helfer. Zunächst müssen auf dem Dachboden alle Sicherungen gelöst werden; denn nur alle paar Jahre wird der Engelsgruß heruntergelassen, um ihn zu überprüfen und zu reinigen. Dazwischen hängt er fest an einem Stahlseil von der Decke – mit allerlei Sicherungen versehen. Und jetzt kommt die 500 Jahre alte Winde zum Einsatz, die vor fünf Jahren auch saniert wurde. Vier Helfer setzen die Winde in Bewegung und lassen den Engelsgruß sanft in die Tiefe gleiten. Das klappt erstaunlich gut und ganz reibungslos. Fünf Meter in rund sieben Minuten! Alles geht gut – anders als 1817 als der Engelsgruß abstürzte, in tausend Teile zersplitterte und aufwendig wieder zusammengefügt wurde.

Unten sichern die Restauratoren das Werk und nehmen es gleich in Augenschein. Der erste Eindruck ist gut, das Werk weißt keine größeren Schäden auf. Jetzt wird erstmal ein Gerüst aufgebaut und die Restauratoren reinigen den Engelsgruß mit Pinseln mehrere Tage lang.

 

Von 1. bis 17. Juli können die Besucher der Lorenzkirche dem Engelsgruß dann ganz nahe kommen und viele Details entdecken. Am 17. Juli 2018 ab 17 Uhr wird das Werk dann wieder in die Höhe gezogen. Das ist auf den Tag genau 500 Jahre nach dem 17. Juli 1518 – der Tag an dem der Engelsgruß erstmals hinaufgezogen wurde! Allerdings war er über Jahrhunderte verhüllt, nachdem Nürnberg ab 1525 evangelisch wurde. Erst im 19. Jahrhundert wurde das mehrmals restaurierte Kunstwerk wieder offen im Hallenchor der Lorenzkirche gezeigt. Jetzt ist immer zu sehen und in den nächsten Wochen ganz besonders nah!

Das umfangreiche Programm gibt es unter: https://lorenzkirche.de

Und meinen Film im Auftrag der Evang.-Luth. Kirche in Bayern gibt es hier:

 

 

 

 

Eine Kirche im Container

Der Welthandel würde ohne sie zusammenbrechen – ohne die Hochseecontainer, die auf Schiffen, LKWs und Zügen um die Welt transportiert werden.  Doch auch ohne Waren erfreuen sich die Container großer Beliebtheit – als Café, als Atelier des Künstlers Peter Lang, als „Fair-Shar€-Container in Salzburg und jetzt auch als „Containerkapelle“ in Aresing bei Schrobenhausen – die bild-schön medienproduktion begleitet Containerprojekte. Heute stellen wir die Containerkapelle von Aresing vor.

Ein Container in einem Gewerbegebiet in Aresing bei Schrobenhausen – ansich nichts besonderes. Zwischen Spezialtiefbaumaschinen des weltweit tätigen Konzerns Bauer und dem kleinen Metallbau-Betrieb von Xaver Ostermaier erweckt der Container dann aber doch Aufmerksamkeit.

Die vermutlich erste und einzige Kapelle der Welt in einem Standard-20-Fuß-Hochseecontainer hat Künstler Martin Knöferl gemeinsam mit dem Eigentümer Xaver Ostermeier auf 2,50 m Breite mal 6 Meter Länge erschaffen.

Die Vorgeschichte der Containerkapelle von Aresing ist lang. 2012 begann der Metallbauer mit dem Umbau des Seecontainers. Immer wenn neben dem Alltagsgeschäft Zeit ist, baut Xaver Ostermaier an seiner Kapelle weiter.  Warum – das behält der Schlosser bis heute für sich. „Irgendwann reifte der Gedanke, eine Kapelle zu errichten“, sagt er.

Und: „Die bedeutendste Öffnung der Kapelle ist aber die nach oben zum Himmel“. Durch ein Rohr fällt das Tageslicht auf den Altar. Und durch die Fenster, deren Gestaltung Martin Knöferl in seinem Atelier übernommen hat. Gemeinsam haben der Schlosser und Künstler dafür hochwertiges blaues Echt-Antik-Glas aus Waldsassen ausgewählt. Martin Knöferl zeichnet für die künstlerische Gestaltung verantwortlich: für die schlanken Seitenfenster und die Taube auf Glas hinter dem Altar – Symbol für den Heiligen Geist und den Frieden – für den Altar, den Boden.

Wir haben die Entstehung der Containerkapelle begleitet. Hier unser Beitrag aus der BR Abendschau:

Schließlich lässt Xaver Ostermaier in Passau sogar noch eine eigene Glocke für den Glockenturm auf seiner Containerkapelle gießen. Dann hat es noch einige Jahre gedauert bis die Kapelle im neuen Gewerbegebiet von Aresing ihren Platz gefunden hat. Jetzt wurde sie bei einer Messe mit rund 200 Gläubigen vom Ortspfarrer gesegnet. Sie liegt direkt an einem Fuß- und Radweg und ist tagsüber geöffnet, lädt zu Einkehr und Gebet ein. Und wer die Kirche aufmerksam betritt, für den hat Martin Knöferl noch eine besondere Überraschung bereit. Er hat einen Gedanken des aus Aresing stammenden Theologen und späteren Bischofs Johann Michael Sailer aufgegriffen. Von Außen ist auf rotem Glas in der Tür zu lesen: „Herr, nimm mich, wie ich bin.“ Und wer die Kirche verlässt, der liest: „Herr, mach mich, wie Du mich haben willst.“

 

Mehr Mut zum Nationalpark

Ein „begehbares Donau-Aquarium“ als Trostpreis für das vorläufige Aus für einen Donauauen-Nationalpark. Der Staatsregierung und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der Mut zum großen Wurf gefehlt. Das ist bedauerlich, denn der Auwald mit seinem Artenreichtum hätte es verdient Nationalpark zu werden. Wer ihn kennt, der weiß, dass dieser einmalige Naturraum in Bayern den höchsten Schutz verdient hätte.

Legendenbildung

Zwei Legenden der Nationalpark-Gegner haben sich – vermutlich auch beim neuen Ministerpräsidenten – so sehr gefestigt, dass sie als Tatsachen angenommen wurden. Da ist zum einen der Hinweis, dass die Auwälder ja schon jetzt vielfältigen Schutz genießen – das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn nach wie vor gibt es dort eine intensive Forstwirtschaft. Aus der Sicht der Eigentümer verständlich. Allerdings: nur wenn die Kernzone des Waldes ganz aus der Nutzung heraus genommen wird, könnte die Natur sich unbegrenzt entfalten.

Die zweite Legende – es seien noch so viele Fragen rund um den Nationalpark und die Einschränkungen offen. Auch das ist falsch, denn bereits jetzt gibt es Nationalparks und klare Regeln. Bei Reisen in bestehende Nationalparks haben die Mitglieder des Kreistags des Landkreis Neuburg-Schrobenhausen darauf klare und eindeutige Antworten bekommen. Und auch der Hinweis, dass der Nationalpark nicht die erforderliche Fläche von 10.000 Hektar erreicht hätte, ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn es gibt auch kleinere Nationalparks.

In der Kommunalpolitik in der Region gab es nicht viele Bekenntnisse zu einem Donauauen-Nationalpark. So fürchtete zum Beispiel der Neuburger Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) um die Entwicklungsmöglichkeiten seiner Kommune, wenn ein Nationalpark eingerichtet werden würde. So sagte Gmehling beim Besuch von Finanzminister Markus Söder im Dezember 2017 in Neuburg: „Wenn der Nationalpark auch nur in irgendeiner Art und Weise diese Planung für Donaubrücke und Ortsumfahrung beeinträchtigen würde, dann werde ich der Erste sein, der mit dem Schild vor der Tür steht und sagt „keinen Nationalpark für Neuburg“.

Mal angenommen unser Neuburger Oberbürgermeister hätte Söder nicht zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt empfangen, sondern wäre mit ihm an einem sonnigen Tag in den Auwald gegangen? Ob sie dann begriffen hätten, wie phantastisch unser Auwald ist? Ist freilich naiv, denn es geht ja bei Entscheidungen wie diesen gar nicht um die Natur.

Wir lernen daraus: eine Brücke und Straßenbau ist demnach wichtiger als die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Hinter Aussagen wie diesen steckt ein zentrales Missverständnis der Politik: Naturschutzgebiete und ein Nationalpark würden die Entwicklung einer Region bremsen. Das ist natürlich immer eine Frage der Perspektive: Wenn man die Aufwertung und Erhaltung der Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen als Wachstumsbremse ansieht, wird man Naturschutz ablehnen. Wenn man jedoch versteht, dass beim derzeitigen Wachstum die Region Ingolstadt überhitzt, dann denkt man anders über Naturschutz. Viele Kommunalpolitiker sind wohl informiert über die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und die Einnahmesituation ihrer Kommune. Doch Wissen über die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt, Schutz der Natur und das Leben der nachfolgenden Generationen ist gering.

Daraus kann man zwei Folgerungen ziehen: Politiker sollten besser Bescheid wissen über die Zusammenhänge in der Natur. Und: die Politik sollte mehr Mut bei der Ausweisung von Nationalparks und Naturschutzgebieten haben. Der oberbayerische Raum ist übersäht von Gewerbegebieten und gewaltigen Straßenbauwerken. Doch beim Naturschutz gibt es noch viel Nachholbedarf. Die nachfolgenden Generationen werden es uns danken.

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Donau-Aquarium

Immerhin hat Söder jetzt als Ersatz für den Nationalpark ein „begehbares Donau-Aquarium“ in Zusammenarbeit mit dem Haus im Moos ins Gespräch gebracht. Das ist weder Ersatz noch Trostpflaster. Denn mit Naturschutz hat ein Donau-Aquarium nichts zu tun, wie Ulrich Mayer vom Landesbund für Vogelschutz feststellt. „Die Artenvielfalt des Auwaldes ist wissenschaftlich bewiesen und im süddeutschen Raum einzigartig. Hier haben weit über 130 Brutvogelarten ihre Heimat. Ein Donau-Aquarium wird auch den dramatischen Rückgang der Donau-Flussfischarten nicht aufhalten.“

Und exklusiv ist es der bild-schön medienproduktion nun gelungen erste Eindrücke vom “begehbaren Donau-Aquarium” einzufangen: