Island – außergewöhnlich anders

Island und die Isländer sind außergewöhnlich anders – vielleicht lassen sich dieses außergewöhnliche Land und seine Menschen am besten so beschreiben. Und natürlich wird diese Verkürzung Island nicht gerecht – der spektakulären Landschaft, den freundlichen, aufgeschlossenen und doch eigenen Menschen, dem wechselhaften windigen Wetter, den tausenden von Islandpferden, die dem Wind trotzen und der modernen, trendigen nördlichsten Hauptstadt der Welt – Reykjavik. Die etwas abgedroschenen Superlative, verzeiht, sie fließen einfach so in die Tastatur und sind wahr.

Wir haben uns auf Expedition in dieses außergewöhnliche Land begeben. Zum Jahreswechsel 2018/19 im isländischen Winter besuchen wir die Hauptstadt Reykjavik und die phantastische Halbinsel Snæfellsness. Dort sind wir drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt am Westende von Island im Nationalpark Snæfellsjökull. Es ist unser Freund und Maler Peter Lang, der uns hierher gebracht hat. Wir haben ihn bereits früher begleitet (http://bild-schön-medien.de/ein-mal-sommer-in-den-bergen). Jetzt ist er wieder einmal für mehrere Monate im Ort Hellissandur zum Malen. Gemeinsam mit ihm sind wir unter anderem auf den Spuren der Polarlichter. Dazu folgt ein eigener Eintrag.

Unser Ziel: die Halbinsel Snæfellsness

Die Halbinsel Snæfellsness ragt wie ein ausgestreckter Finger (auf der Karte oben links, unten links liegt Reykjavik) vom isländischen Festland in Richtung Westen und zeigt auf Grönland, das nur 300 Kilometer entfernt ist. Snæfellsness bietet nahezu alles, was Island ausmacht; Berge, Wasserfälle, Strände, unendliche Weiten,  Mystik, Lavafelder und einen erloschenen Vulkan. Snæfellsjökull heißt er, 1446 m hoch, von einem Gletscher bedeckt und von jeder Seite bietet er faszinierende Einblicke. Und er ist weltbekannt – dank dem Autor Jules Verne, der in seinem Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ den Hamburger Professor Lidenbrock durch den Krater des Snæfellsjökull ins Erdinnere hinunter steigen lässt.

Was gibt es hier nicht alles zu entdecken: den Snæfellsjökull und die ihn umgebenden Berge. Wir wandern auf den Berg Búrfell am Rande des Nationalparks. Von dort hat man einen guten Blick auf die Berge und das Meer.

Die Kraft des Meeres und Wasserfälle

Der Strand von Djúpalónssandur begeistert uns – übersäht von schwarzen glatten Kieselsteinen und von stürmischer Brandung umtost. Wer hier dem Meer zu nahe kommt, der hat keine Chance. Von der Kraft des Meeres erzählen rostige Eisenteile auf dem Strand – Kulturgut, das man nicht mitnehmen darf. Sie stammen von einem britischen Fischer-Trawler, der hier 1948 bei stürmischer See gestrandet ist. Nur wenige Seeleute überlebten.

Spannend auch die Strände im Süden und die im Norden zwischen Olafsvik und Grundarfjörður. Bei Grundarfjörður steht der markante Berg Kirkjufell, der spitz aufragt. Und gleich daneben der gleichnamige Wasserfall, der Kirkjufellsfoss. Überhaupt die Wasserfälle – der Svöðufoss in der Nähe unserer Unterkunft bei Hellissandur begeistert uns. Wasserläufe überall, bei unserer Wanderung auf den Búrfell sehen wir aus der Höhe wie sie das Land durchpflügen. Und die Drohne liefert spannende Bilder von den Wasserläufen. Freilich sind sie oft auch ein schwer zu überwindendes Hindernis.

Schräge Isländer

Dazu die Isländer. Wir erleben ein freundliches Volk, aufstrebend, wohlhabend und selbstbewusst. Mitunter für uns ein bisschen schräg: an Silvester beobachten wir in der Hauptstadt einen Volkslauf, bei dem die Teilnehmer verkleidet als Biene Maya oder Indianer mitlaufen. Am Silvesterabend entzünden die Bürger von Rif/Hellisandur ein riesiges Feuer aus 3000 Paletten. Und das Rescue-Team brennt dazu ein großes Feuerwerk ab. Wer ein privates Feuerwerk machen will, der kauft die Feuerwerkskörper bei der Feuerwehr! Ungewöhnlich empfinden wir den Brauch, die Friedhöfe mit bunten elektrischen Kreuzen zu schmücken.

Ein erfolgreiches Land. 350.000 Einwohner verkraften derzeit 2,5 Millionen Touristen pro Jahr. Die sind natürlich eine Einnahmequelle. Das Land ist – trotz hoher Preise – absolut eine Reise wert. Die Halbinsel Snæfellsness sei Euch wärmstens empfohlen.

Bevorzugte Reisezeit ist der Sommer, wenn es hier knapp unterhalb des Polarkreises gar nicht mehr dunkel wird. Doch auch der Winter hat seinen Reiz. Zum Jahreswechsel ist es am Tag mit Dämmerung ca. sechs Stunden lang hell.

Links

Eine gute und detaillierte Landkarte mit der Möglichkeit zwischen unterschiedlichen Ansichten umzuschalten:

https://en.ja.is/kort/?type=map

Das wechselhafte Wetter:

https://en.vedur.is/weather/forecasts/areas/

Wie auch wir kommen viele hierher, um das Polarlicht zu sehen. Die Vorhersage in Zusammenhang mit dem Wetter, denn natürlich braucht es dafür einen klaren Himmel:

https://en.vedur.is/weather/forecasts/aurora/

Und die Vorhersage für die Polarlichter, die Aurora Borealis von der Universität Alaska:

https://www.gi.alaska.edu/monitors/aurora-forecast

Und offizielle Reiseempfehlungen:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/island-node/islandsicherheit/223400

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Johannisfriedhof – ein Nürnberger Bilderbuch

Kunst und Ästhetik, Mystik und Glauben, Stadt- und Religionsgeschichte, menschliche Schicksale, Humor und Trauer  – der Johannisfriedhof in Nürnberg ist einen spannender Ort. Deshalb ist ein Besuch auf dem evangelischen Friedhof im Nürnberger Stadtteil St. Johannis unverzichtbar. Er ist weltberühmt – gemeinsam mit seinem kleineren Bruder St. Rochus – und beide rücken sie im Jahr 2018 besonders in den Blickpunkt. “Ein Bilderbuch der Stadtgeschichte” ist der St. Johannisfriedhof für Pfarrer Ulrich Willmer von der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis – mit ihm erkunden wir den Friedhof. Im Auftrag der Evangelischen Landeskirche produzieren wir zwei Beiträge für bayern-evangelisch.de.

Mit einem Erlass vom 31. Oktober 1518 verfügte Kaiser Maximilian I., dass Bestattungen nur noch außerhalb der Nürnberger Stadtmauern stattfinden dürfen – zum Beispiel auf dem St. Johannisfriedhof. Und dieses 500jährige Jubiläum wird im Herbst 2018 mit allerlei Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Allerdings ist der St. Johannisfriedhof deutlich älter als 500 Jahre.  1234 wurde in St. Johannis ein so genannter Siechkobel für die Betreuung von Leprakranken eingerichtet. Und im 14. Jahrhundert wurde der Siechkobel in St. Johannis nach Osten um einen Pestfriedhof erweitert.

Was den Johannisfriedhof so besonders macht, sind die rund 6500 Grabstätten. Sie sind als liegende Steinsarkopharge angelegt, darauf die hochwertigen aus Messing und Bronze gefertigten Tafeln, die sogenannten Epitaphien. Nimmt man sich Zeit und Geduld, dann kann man auf den Epitaphien tiefe Einblicke gewinnen. Pfarrer Ulrich Willmer von der St. Johannis-Kirchengemeinde zeigt uns das wohl berühmteste Grab des Friedhofs – das von Albrecht Dürer. Aber auch das kuriose Grab des Ratsherren Andreas Georg Paumgartner – kurios weil sich der Unterkiefer des Totenschädels auf dem Epitaph bewegen lässt. Außergewöhnlich – und gut versteckt – das Epitaph von William Wilson. Er war der erste Lokomotivführer in Deutschland, der 1835 den “Adler” zwischen Nürnberg und Fürth steuerte. 1862 starb der Brite in Nürnberg. Aber auch die Grabstätten weniger bekannter Nürnberger sind spannend. Sie erzählen Geschichten von hoher Kindersterblichkeit oder zeigen kunstvolle Epitaphien mit Abbildungen vom Handwerk des Verstorbenen.

Der Johannisfriedhof ist ein lebendiger Ort, wenn man das so sagen darf. Besucher, Mitarbeiter und natürlich Angehörige sind auf dem steinernen Gräberfeld unterwegs. Und überall finden sich Grabstätten mit dem Hinweis, dass man sich hier bestatten lassen kann. Denn der Johannisfriedhof ist kein Museum – immer wieder werden hier Menschen beerdigt; die Trauerfeiern finden in der Johanniskirche mitten auf dem Friedhof statt. Familiengräber werden von Generation zu Generation weitergegeben; so zum Beispiel in der Familie von Loewenich. Auch der frühere Landesbischof Hermann von Loewenich ist auf dem Johannisfriedhof begraben. Informieren kann man sich auf http://www.st-johannisfriedhof-nuernberg.de

Und noch ein Tipp: der Nürnberger Stadtteil St. Johannis rund um den Johannisfriedhof lädt zu vielfältigen Entdeckungen ein. Nur wenige Meter entfernt vom Friedhof in der Johannisstraße 43-47 die öffentlich zugänglichen Hesperidengärten. Ein weiterer Barockgarten, weniger bekannt und noch viel lauschiger, findet sich in der Johannisstraße 13  – vom Johannisfriedhof Richtung Altstadt auf der rechten Straßenseite. An dem Wohnhaus verrät eine Tafel, dass man tagsüber durch die nicht versperrte Haustür den Barockgarten betreten kann. Wer sich hineinwagt wird dort wie auf dem Johannisfriedhof in eine andere Welt eintauchen und die Stadt hinter sich lassen.

Christos “The Mastaba” in London

Die Frage nach dem Sinn, die muss wieder einmal jeder für sich selbst beantworten. Die hat Meister Christo offen gelassen, wie er es immer zu tun pflegt. Jeder wird die Frage individuell beantworten, je nach Geschmack und Sinn für Ästhetik.

„The Mastaba“ heißt die bunte Pyramide aus Fässern, die Christo in diesem Sommer auf einem See im Londoner Hyde Park schwimmen lässt. Wir haben sie besucht. Und uns gefällt sie! Und obwohl „Mastaba“ nicht annähernd soviel Aufmerksamkeit wie seine „Floating Piers“ am Iseosee vor zwei Jahren bekommen hat, ist es ein wichtiges Werk von Christo und seinen verstorbenen Frau Jeanne-Claude. Das kann man erahnen, wenn man die für Christo typischen Zeitangaben liest: 1958-2018.

Von der Idee bis zur Verwirklichung vergingen 60 Jahre. Ein Foto in der Begleitausstellung in der Serpentine Galerie in London zeigt den jungen Christo beim Aufstapeln von alten Ölfässern. Denn die Idee Skulpturen aus Fässern zu schaffen, faszinierte ihn und seine Frau seit langem. Andere Skizzen zeigen z.B. eine Tankstelle, die aus Fässern gestaltet ist. Und obwohl die Idee schon so alt ist, ist das noch nicht das endgültige Werk. Denn wie die vielen Skizzen und Modelle in der Galerie zeigen, soll „The Mastaba“ eigentlich viel viel größer werden. Es ist eigentlich als größte Skulptur der Welt geplant – in der Wüste in den Arabischen Emiraten, 150 Meter hoch, bestehend aus 410.000 Fässern. In London sind es gerade einmal 7506 Fässer. Die Skulptur ist 20 Meter hoch; die Grundfläche ist 30 mal 40 Meter groß.

Wieder einmal ist es spannend das Werk bei unterschiedlichen Tageszeiten zu erleben, zu beobachten welche Wirkung Licht und Wetter darauf haben. Und in diesem Fall ist es ein Vergnügen mit dem Tretboot um „The Mastaba“ herumzufahren. Nur zu nahe kommen sollte man ihm nicht, denn dann kommt einer der Aufpasser in einem Boot herangefahren.

Außergewöhnlich an diesem Werk: es geht dieses Mal nicht um die Verpackung von etwas wie beim „Wrapped Reichstag“ (1971-1995), “The Pont Neuf Wrapped” (1975-85) oder den “Floating Piers” (2014-2016). Christo erschafft dieses Mal die Form selbst. Was diese Arbeit mit den früheren Arbeiten verbindet ist die zeitliche Begrenzung. Ende September ist wieder Schluß und „The Mastaba“ wird abgebaut.

Und hier noch ein kurzes Video von unserer Tretbootfahrt:

Eine Kirche im Container

Der Welthandel würde ohne sie zusammenbrechen – ohne die Hochseecontainer, die auf Schiffen, LKWs und Zügen um die Welt transportiert werden.  Doch auch ohne Waren erfreuen sich die Container großer Beliebtheit – als Café, als Atelier des Künstlers Peter Lang, als „Fair-Shar€-Container in Salzburg und jetzt auch als „Containerkapelle“ in Aresing bei Schrobenhausen – die bild-schön medienproduktion begleitet Containerprojekte. Heute stellen wir die Containerkapelle von Aresing vor.

Ein Container in einem Gewerbegebiet in Aresing bei Schrobenhausen – ansich nichts besonderes. Zwischen Spezialtiefbaumaschinen des weltweit tätigen Konzerns Bauer und dem kleinen Metallbau-Betrieb von Xaver Ostermaier erweckt der Container dann aber doch Aufmerksamkeit.

Die vermutlich erste und einzige Kapelle der Welt in einem Standard-20-Fuß-Hochseecontainer hat Künstler Martin Knöferl gemeinsam mit dem Eigentümer Xaver Ostermeier auf 2,50 m Breite mal 6 Meter Länge erschaffen.

Die Vorgeschichte der Containerkapelle von Aresing ist lang. 2012 begann der Metallbauer mit dem Umbau des Seecontainers. Immer wenn neben dem Alltagsgeschäft Zeit ist, baut Xaver Ostermaier an seiner Kapelle weiter.  Warum – das behält der Schlosser bis heute für sich. „Irgendwann reifte der Gedanke, eine Kapelle zu errichten“, sagt er.

Und: „Die bedeutendste Öffnung der Kapelle ist aber die nach oben zum Himmel“. Durch ein Rohr fällt das Tageslicht auf den Altar. Und durch die Fenster, deren Gestaltung Martin Knöferl in seinem Atelier übernommen hat. Gemeinsam haben der Schlosser und Künstler dafür hochwertiges blaues Echt-Antik-Glas aus Waldsassen ausgewählt. Martin Knöferl zeichnet für die künstlerische Gestaltung verantwortlich: für die schlanken Seitenfenster und die Taube auf Glas hinter dem Altar – Symbol für den Heiligen Geist und den Frieden – für den Altar, den Boden.

Wir haben die Entstehung der Containerkapelle begleitet. Hier unser Beitrag aus der BR Abendschau:

Schließlich lässt Xaver Ostermaier in Passau sogar noch eine eigene Glocke für den Glockenturm auf seiner Containerkapelle gießen. Dann hat es noch einige Jahre gedauert bis die Kapelle im neuen Gewerbegebiet von Aresing ihren Platz gefunden hat. Jetzt wurde sie bei einer Messe mit rund 200 Gläubigen vom Ortspfarrer gesegnet. Sie liegt direkt an einem Fuß- und Radweg und ist tagsüber geöffnet, lädt zu Einkehr und Gebet ein. Und wer die Kirche aufmerksam betritt, für den hat Martin Knöferl noch eine besondere Überraschung bereit. Er hat einen Gedanken des aus Aresing stammenden Theologen und späteren Bischofs Johann Michael Sailer aufgegriffen. Von Außen ist auf rotem Glas in der Tür zu lesen: „Herr, nimm mich, wie ich bin.“ Und wer die Kirche verlässt, der liest: „Herr, mach mich, wie Du mich haben willst.“