Die Heilige Lucia in Bayern

Ein Mädchen mit brennenden Kerzen auf dem Kopf – am 13. Dezember feiern die Schweden die Heilige Lucia mit dem Luciafest. Jede Schule und jeder Kindergarten kürt seine eigene Lucia – und auch bei uns findet das Fest zunehmend mehr Anhänger. In Bayern gibt es rund um die Heilige Lucia allerlei Brauchtum. Wir berichten in der Abendschau im BR Fernsehen am Lucientag 2016 darüber.

Die Heilige Lucia ist, wenn man so will, eine ökumenische Heilige. Denn obwohl sie im 3. Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien lebte und von den Katholiken als Heilige verehrt wird, steht sie auch bei den Evangelischen in Skandinavien und Deutschland hoch im Kurs. Ihr Name Lucia bedeutet „die Leuchtende“. Und so erklärt sich auch die Verbindung nach Skandinavien und ihr Gedenktag am 13. Dezember. Denn vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres mit der längsten Nacht. Und die Wintersonnwende war für die Skandinavier seit jeher von großer Bedeutung, da die Tage nun wieder länger wurden – bis zur Sommersonnwende.

Schwedischer Chor München

Und so sind Mitsommer und das Luciafest die beiden wichtigsten Feste in Schweden, sagt die Schwedin Marianne Wennas, die den Schwedischen Chor München leitet. Sie hat vor fast 25 Jahren den Brauch des Luciafestes nach München gebracht und veranstaltet seit 1993 jedes Jahr mit ihrem engagierten Chor ein Schwedisches Weihnachtskonzert mit einem Luciazug. Jedes Jahr wird eine andere junge Frau aus dem Chor von Marianne Wennas zur Lucia erwählt – in diesem Jahr war es Nelly Gottschick, die es als besondere Ehre empfindet, den Chor als Lucia zu vertreten.

https://www.youtube.com/watch?v=NS7r7Rp4JVc

Sankta Lucia, eine Sizilianerin, die vor allem in Schweden verehrt wird. Wer war die Frau? Ihre Legende ist gruselig. Sie wird um das Jahr 286 in Syrakus als Tochter eines reichen Kaufmanns geboren. Nach dem Tod ihres Vaters macht sie mit ihrer kranken Mutter eine Wallfahrt zum Grab der heiligen Agathe. Danach sagt sie die Heirat mit ihrem Verlobten ab, um ihr Leben Jesus zu widmen. Der verrät sie und sie wird gefoltert. Sie soll auf dem Scheiterhaufen sterben, doch der konnte ihr nichts anhaben. Und so wurde sie schließlich erstochen. Außerdem soll sie sich selbst die Augen ausgerissen haben, sagt eine Legende. Ihre Augen, das Feuer und der Dolchstich – sie finden sich auf allerlei Darstellungen der Heiligen. So zum Beispiel in der St. Luzia-Kirche in Zell bei Neuburg an der Donau, wo eine große Heiligenfigur den Altar schmückt.

Die “schiache Luz”

Die Münchner Kunsthistorikerin Martina Sepp berichtet noch von einer weiteren Deutung. Da gibt es die lichtbringende gute Seite und die düstere Seite der Lucia. Die böse, hässliche Schwester der guten Lucia ist die „schiache Luz“, die in der Luciennacht Kinder, die nicht brav waren, verschreckt. Einst gab es diesen Brauch im Bayerischen Wald.

Schließlich gibt es am Schloss Blutenburg in München und in Fürstenfeldbruck den Brauch des Lucien-Häuschen-Schwimmen. Dabei lassen Kinder selbst gebastelte schwimmende Häuschen – beleuchtet von Kerzen – in der Dunkelheit auf einem kleinen See bzw. dem Fluss Amper schwimmen. Damit dankten die Bürger von Fürstenfeldbruck dafür, dass sie von Hochwasser verschont wurden, so will es die Legende.

Und in Schweden: da ist es in den Familien Brauch, dass die älteste Tochter die Lucia darstellt und mit den Kerzen auf dem Kopf die schlafenden Eltern und Geschwister mit Hefegebäck weckt – dem so genannten Lussekatter. Einst – in der alten Zeitrechnung – gab es am Luciatag sogar die Weihnachtsgeschenke. Sankta Lucia – eine vielgestaltige und ökumenische Heilige.

Quellen u.a. Ökumenisches Heiligenlexikon, katholisch.de, br.de, Wikipedia, Kunsthistorikerin Martina Sepp, Chorleiteirn Marianne Wennas http://www.schwedischer-chor.de

https://youtu.be/cMeoaLABMeM

 

Martin Luther in Bayern

Augsburg, Coburg und Nürnberg – es sind nicht die großen Lutherstädte in Deutschland – aber es waren wichtige Stationen im Leben von Martin Luther. Wenn in den kommenden zwölf Monaten 500 Jahren Reformation gedacht wird, dann werden auch die bayerischen Lutherstädte etwas vom Glanz abbekommen. Die bild-schön medienproduktion wird das Jubiläumsjahr intensiv begleiten und hat die drei Lutherstädte für Stadtführungen auf den Spuren von Martin Luther besucht.

Ein paar erste Impressionen unserer Produktionen über die Lutherstädte:

https://www.youtube.com/watch?v=ICwAQcUEwKQ

Augsburg

Der Besuch von Martin Luther in Augsburg, er hätte auch ganz anders ausgehen können. Denn Martin Luther war zwei Wochen lang im Oktober 1518 hier, ein Jahr nach der Veröffentlichung seiner 95 Thesen. Und vor dem päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan sollte Luther seine Thesen widerrufen. Mehrfach musste er zum Verhör in den Fuggerpalast kommen – und er widerrief nicht. Am Ende halfen ihm Freunde die Stadt unbeschadet zu verlassen. Er selbst lebte im damaligen Karmelitenkloster bei St. Anna und nahm vermutlich an den Stundengebeten der Karmelitermönche teil. Deshalb ist St. Anna bis heute der wichtigste Lutherort Augsburgs. Und dort wurde 1999 auch die “Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre” unterzeichnet, in der auch die katholische Kirche die zentrale Botschaft Martin Luthers anerkennt: allein durch Gnade rechtfertigt sich der Mensch gegenüber Gott.

1530 spielte Augsburg noch einmal eine sehr große Rolle im Leben von Martin Luther – vor dem Reichstag und dem Kaiser trug Philipp Melanchthon im Auftrag von Luther die Confessio Augustana vor, das Augsburger Bekenntnis.  Der Reformator selbst konnte nicht nach Augsburg kommen, es wäre zu gefährlich für ihn gewesen.

Coburg

Stattdessen beobachtete Martin Luther die Verhandlungen vor dem Augsburger Reichstag von Coburg aus. Ein halbes Jahr lang lebte er auf der Veste Coburg, wo er sicher war. Von hier aus verfolgte er das Geschehen in Augsburg und schrieb zahlreiche Briefe und Schriften. Und er predigte in der Morizkirche.

Nürnberg

Nürnberg sei “das Auge und Ohr Deutschlands” hat Martin Luther gesagt. Denn um das Jahr 1500 war Nürnberg eine der bedeutendsten Städte hierzulande und mit 21 Druckereien die Medienstadt dieser Zeit. Luther erkennt schnell die Chance des Drucks seiner Werke und so werden in Nürnberg viele seiner Schriften gedruckt. 1510 soll Luther bei seiner Pilgerreise nach Rom erstmals durch Nürnberg gekommen sein.

Drei Städte die, wie auch andere Orte der Reformation in Bayern den Besuch lohnen. Wir empfehlen Stadtführungen oder Touren auf eigene Faust auf den Spuren von Martin Luther.

Quelle und Tipp: “Orte der Reformation” aus der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig (www.eva-leipzig.de), Ausgaben Augsburg, Coburg und Nürnberg, 2011 und 2014 erschienen. Lesenswerte Hefte, die Lust machen auf einen Besuch in den bayerischen Lutherstädten.

Lob der Provinz

Oft ist die Kirche, die Pfarrerin und der Pfarrer die letzte Institution in fränkischen und bayerischen Dörfern. Denn auch wenn der letzte Dorfladen zugemacht hat, im Wirtshaus das Licht ausgegangen ist und das Rathaus längst in einer Verwaltungsgemeinschaft in einem anderen Dorf untergebracht ist, bleibt die Kirche vor Ort. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis aus der Frühjahrstagung der Evangelischen Landessynode in Ansbach, die ich journalistisch begleitet habe. Im Vorfeld habe ich die Dörfer Au in der Hallertau in Oberbayern, Krummennaab in der Oberpfalz und Illesheim in Mittelfranken und ihre Pfarrerinnen und Pfarrer besucht, um Kurzportraits zu drehen. Jeder der Hauptamtlichen ist längst für eine Vielzahl von Kirchen, Gemeinden und Dörfern zuständig – eine Folge der “Landflucht” vieler junger Menschen und natürlich eine Folge von Kirchenaustritten. Die Kirchen und die Gemeinden sind überlebensnotwendig für die Dörfer – das sollte jedem bewusst sein.

https://www.youtube.com/watch?v=NkCidKj8Fbw

Die Landessynode hat sich sich auf sehr vielfältige Art und Weise mit dem Leben in den Dörfern beschäftigt. Unter dem Motto “Lug ins Land, Kirche!” ging es um Strategien für die Zukunft. Da geht es oft um Kooperationen zwischen Gemeinden, aber auch darum, die Dörfer nicht aus dem Blick zu verlieren und ein “Lob der Provinz” zu formulieren. Ein starke Forderung hat bei der Evangelischen Landessynode der katholische Bamberger Erzbischof Ludwig Schick als Gast formuliert: “Wenn nur noch Kirche auf dem Land ist, dann ist es zu wenig. Wir brauchen auch die Kommunen auf dem Land. Wir brauchen auch lebendiges kommunales Leben auf dem Land. Aber dafür muss die Politik mehr tun als bisher.”

Und hier die Impressionen meiner Besuche in den Dörfern:

https://www.youtube.com/watch?v=wT_abQ0j85A

https://www.youtube.com/watch?v=-XPaED4Ghto

https://www.youtube.com/watch?v=3Dxpu8Zaqbo

Weitere Beiträge der bild-schön medienproduktion von der Landessynode:

https://www.youtube.com/watch?v=82fYfBhpfrw

https://www.youtube.com/watch?v=Jxr_K0DYPPc

 

Vier Messen in 24 Stunden

Zu Besuch bei Pater Antonius in Hammerfest – was ich mit ihm in 36 Stunden alles erleben darf, das hat es in sich. Eine spektakuläre Autofahrt an der Barentsee, eine Schiffsreise mit Königskrabben, ein Besuch am Außenposten der Zivilisation und eine Nacht mit wenig Schlaf.

Pater Antonius Sohler ist Kosmopolit und Missionar. Er stammt aus Heimenkirch im Landkreis Lindau. Theologie hat er in Rom studiert und dort auch gearbeitet, 15 Jahre lang. Es folgten einige Jahre in Amsterdam, schließlich drei Jahre als Priester in Bayern. Und im letzten Jahr war der liebe Gott im Spiel als Pater Antonius genau zur rechten Zeit durch einen Artikel auf die katholische Kirche in Nord-Norwegen aufmerksam wurde. In der Diözese Tromsø, die von der russischen Grenze bis in die Mitte Norwegens reicht, freute sich Bischof Berislav über das Interesse von Pater Antonius. Und nach zwei Besuchen zum Schnuppern ging er im letzten Sommer nach Hammerfest – die nördlichste Stadt der Welt mit der nördlichsten Kirche der Welt!

Von dort aus versorgt Pater Antonius (50) den hohen Norden mit Messen. Jede Woche besucht er auch abgelegene Außenorte, wo er zumeist in evangelischen Kirchen oder Gemeindehäusern Gottesdienst feiert. Die Katholiken dort sind zumeist Einwanderer, viele Polen sind dabei, einige konvertierte Norweger und Touristen. Meistens ist die Zahl der Schäfchen bei den Messen überschaubar. Aber die Gespräche und die Betreuung durch den Pater sind intensiv. Er versteht sich im wahrsten Sinne des Wortes als Missionar – am Außenposten der Zivilisation.

Und so sehen unsere eineinhalb gemeinsamen Tage im Telegramstil aus:

Freitag Abendmesse in Hammerfest

Samstag Morgenmesse in Hammerfest, Abfahrt ins 170 Kilometer entfernte Honnigsvåg, 3 schnelle Stunden auf zum Teil eisigen Straßen an der Barentsee, 13 Uhr Messe für die polnischen Arbeiter in Honnigsvåg. 14.45 Uhr Abfahrt des Hurtigrutenschiffes nach Kjøllefjord, 17 Uhr Ankunft, 19 Uhr Messe für Polen und Norweger, danach Abendessen in einer norwegisch-polnischen Familie, etwas Schlaf

Sonntag, 3 Uhr morgens offiziell Abfahrt Hurtigrute, halbe Stunde Verspätung, 6 Uhr Ankunft Honnigsvåg, Pater Antonius fährt zurück nach Hammerfest, 11 Uhr Messe dort …

Mein Portrait über Pater Antonius aus der Abendschau:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau/pater-antonius-nordkap-100.html