Mehr Mut zum Nationalpark

Ein „begehbares Donau-Aquarium“ als Trostpreis für das vorläufige Aus für einen Donauauen-Nationalpark. Der Staatsregierung und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der Mut zum großen Wurf gefehlt. Das ist bedauerlich, denn der Auwald mit seinem Artenreichtum hätte es verdient Nationalpark zu werden. Wer ihn kennt, der weiß, dass dieser einmalige Naturraum in Bayern den höchsten Schutz verdient hätte.

Legendenbildung

Zwei Legenden der Nationalpark-Gegner haben sich – vermutlich auch beim neuen Ministerpräsidenten – so sehr gefestigt, dass sie als Tatsachen angenommen wurden. Da ist zum einen der Hinweis, dass die Auwälder ja schon jetzt vielfältigen Schutz genießen – das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn nach wie vor gibt es dort eine intensive Forstwirtschaft. Aus der Sicht der Eigentümer verständlich. Allerdings: nur wenn die Kernzone des Waldes ganz aus der Nutzung heraus genommen wird, könnte die Natur sich unbegrenzt entfalten.

Die zweite Legende – es seien noch so viele Fragen rund um den Nationalpark und die Einschränkungen offen. Auch das ist falsch, denn bereits jetzt gibt es Nationalparks und klare Regeln. Bei Reisen in bestehende Nationalparks haben die Mitglieder des Kreistags des Landkreis Neuburg-Schrobenhausen darauf klare und eindeutige Antworten bekommen. Und auch der Hinweis, dass der Nationalpark nicht die erforderliche Fläche von 10.000 Hektar erreicht hätte, ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn es gibt auch kleinere Nationalparks.

In der Kommunalpolitik in der Region gab es nicht viele Bekenntnisse zu einem Donauauen-Nationalpark. So fürchtete zum Beispiel der Neuburger Oberbürgermeister Bernhard Gmehling (CSU) um die Entwicklungsmöglichkeiten seiner Kommune, wenn ein Nationalpark eingerichtet werden würde. So sagte Gmehling beim Besuch von Finanzminister Markus Söder im Dezember 2017 in Neuburg: „Wenn der Nationalpark auch nur in irgendeiner Art und Weise diese Planung für Donaubrücke und Ortsumfahrung beeinträchtigen würde, dann werde ich der Erste sein, der mit dem Schild vor der Tür steht und sagt „keinen Nationalpark für Neuburg“.

Mal angenommen unser Neuburger Oberbürgermeister hätte Söder nicht zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt empfangen, sondern wäre mit ihm an einem sonnigen Tag in den Auwald gegangen? Ob sie dann begriffen hätten, wie phantastisch unser Auwald ist? Ist freilich naiv, denn es geht ja bei Entscheidungen wie diesen gar nicht um die Natur.

Wir lernen daraus: eine Brücke und Straßenbau ist demnach wichtiger als die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Hinter Aussagen wie diesen steckt ein zentrales Missverständnis der Politik: Naturschutzgebiete und ein Nationalpark würden die Entwicklung einer Region bremsen. Das ist natürlich immer eine Frage der Perspektive: Wenn man die Aufwertung und Erhaltung der Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen als Wachstumsbremse ansieht, wird man Naturschutz ablehnen. Wenn man jedoch versteht, dass beim derzeitigen Wachstum die Region Ingolstadt überhitzt, dann denkt man anders über Naturschutz. Viele Kommunalpolitiker sind wohl informiert über die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und die Einnahmesituation ihrer Kommune. Doch Wissen über die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt, Schutz der Natur und das Leben der nachfolgenden Generationen ist gering.

Daraus kann man zwei Folgerungen ziehen: Politiker sollten besser Bescheid wissen über die Zusammenhänge in der Natur. Und: die Politik sollte mehr Mut bei der Ausweisung von Nationalparks und Naturschutzgebieten haben. Der oberbayerische Raum ist übersäht von Gewerbegebieten und gewaltigen Straßenbauwerken. Doch beim Naturschutz gibt es noch viel Nachholbedarf. Die nachfolgenden Generationen werden es uns danken.

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Donau-Aquarium

Immerhin hat Söder jetzt als Ersatz für den Nationalpark ein „begehbares Donau-Aquarium“ in Zusammenarbeit mit dem Haus im Moos ins Gespräch gebracht. Das ist weder Ersatz noch Trostpflaster. Denn mit Naturschutz hat ein Donau-Aquarium nichts zu tun, wie Ulrich Mayer vom Landesbund für Vogelschutz feststellt. „Die Artenvielfalt des Auwaldes ist wissenschaftlich bewiesen und im süddeutschen Raum einzigartig. Hier haben weit über 130 Brutvogelarten ihre Heimat. Ein Donau-Aquarium wird auch den dramatischen Rückgang der Donau-Flussfischarten nicht aufhalten.“

Und exklusiv ist es der bild-schön medienproduktion nun gelungen erste Eindrücke vom “begehbaren Donau-Aquarium” einzufangen:

 

Langzeit-Projekte gesucht!

Wenn aus einer fixen Idee ein Plan wird und dieser schließlich in die Tat umgesetzt wird – dann ist die bild-schön medienproduktion gerne  mit der Kamera dabei! Wir begleiten Eure und Ihre Langzeit-Projekte. Wie zum Beispiel das Projekt der Jugendkirche der Evangelischen Jugend im Dekanat Sulzbach-Rosenberg. Ein Jahr lang haben wir die jungen Leute begleitet – bis die Kapelle am Knappenberg fertig war.

http://bild-schön-medien.de/jugend-baut-kirche

Oder Peter Lang und sein Atelier-Container. Wir haben den Maler aus Gleißenberg im Bayerischen Wald besucht als er seinen Mal-Container bestückt hat. Und dann haben wir den Container auf seinem Weg hoch auf eine Alm nach Hinterstoder/Österreich begleitet. Und Peter beim Malen bei einem Wintereinbruch im September besucht.

http://bild-schön-medien.de/ein-mal-sommer-in-den-bergen

Und 2016 haben wir eine Hopfenbauernfamilie durchs Jahr begleitet.

http://bild-schön-medien.de/mit-dem-hopfen-durchs-jahr

Und jetzt suchen wir für das Jahr 2018 neue Ideen – gerne begleiten wir Euer und Ihr Projekt! Voraussetzungen: in einem überschaubaren Zeitraum sollte sich bei dem Projekt etwas bewegen, etwas entstehen, ein Ergebnis sichtbar werden. Und natürlich sollte es bildstark sein, Beispiele gibt es auf dieser Seite.

Ein Projekt für 2018 läuft bereits – der markante Baum auf dieser Seite. Er steht im Altmühltal, und wir begleiten ihn durch dieses Jahr.

Hier der neueste Film über Peter Langs Atelier-Container. Jetzt zeigt er bei Ausstellungen in Regensburg und München die Werke vom Almsommer in Hinterstoder.

Jugend baut Kirche

Ein außergewöhnliches Projekt – vor allem für die jungen Leute der Evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg. Und auch für die bild-schön medienproduktion. Denn wir haben die Realisierung einer Holzkapelle am Jugendhaus Knappenberg nahe Amberg ein Jahr lang intensiv begleitet.

Kirchen haben die Menschen in früheren Jahrhunderten gebaut – als Symbol für ihren festen Glauben. Doch auch heute werden noch neue Kirchen gebraucht und gebaut. Und so hatten auch die jungen Leute in der Evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz die Idee, eine Kapelle zu bauen. Als Zeichen für ihren Glauben. Keine zwei Jahre hat es gedauert – von der Idee bis zur Weihe der Kapelle durch Schirmherrn Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am 26. November 2017.

Ein bisschen verrückt war ihre Idee schon. Doch bald schon folgte auf dem Traum der Tatendrang. Ideen wurden entwickelt, ein Architekt plante und baute ein Modell, Zuschussanträge wurden formuliert, Aufgaben verteilt und Spenden gesammelt. Und dann kam der lang ersehnte Bescheid für die finanzielle Förderung aus dem EU-Leader-Programm.

Die neue Kapelle ist der spirituelle Begegnungsraum für das Jugendhaus Knappenberg, mitten im Wald gelegen. In den Pfingstferien verlegten die jungen Leute die Leitungen zum geplanten Standort. Und kurz vor den Sommerferien wurde die Kapelle aus großen Holzbauteilen dann bereits aufgerichtet. Jugendliche halfen mit, vor allem bei dem Anbringen von tausenden Holzschindeln an der Außenfassade. 1800 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisteten sie, 35.000 Euro an Spenden sammelten sie ein.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt zur Einweihung: “Ihr habt es geschafft! Wir haben es geschafft! Er ist wirklich ein Wunderwerk geworden, dieser Raum, in dem wir uns heute zum ersten Mal so versammeln. Gemeinsam, mit vereinten Kräften, mit großem Willen, Durchhaltevermögen, Geduld und manchmal auch der nötigen Ungeduld habt Ihr aus einer Idee/einer Vision Wirklichkeit werden lassen. Es war ein Down to the top Projekt, bei dem Ihr, liebe Jugendliche, mit guter Energie, zähem Verhandlungsgeschick, aber vor allem mit einem guten Geist so viele Erwachsene begeistert habt, dass Politiker, Geldgeber, Handwerker, Eltern, Kirchenleute, Euch dabei unterstützt haben, dass aus einer Zeichnung und aus Hölzern ein wunderbarer spiritueller Raum, eine Kapelle, geworden ist. Und auch ein großartiges Symbol in diesem Reformationsjubiläumsjahr. (…) Ich bin stolz auf Euch und auf Sie hier am Knappenberg und sage daher am Anfang meiner Predigt zunächst erstmal ein dickes und großes Dankeschön. Applaus, Applaus für Euch und Sie alle.”

Wir haben das Projekt journalistisch und filmisch intensiv für das Bayerische Fernsehen und die Evangelische Landeskirche begleitet. Die bild-schön medienproduktion hat sich auf die Begleitung von Langzeitprojekten spezialisiert. Außerdem ist das Projekt ein gelungenes Beispiel und eine Referenz für den Einsatz einer Drohne. Immer wieder haben wir das Gelände am Knappenberg beflogen. Entstanden sind herrliche Bilder und Beiträge mit engagierten Jugendlichen.

Unsere Beiträge zum Thema

https://www.br.de/mediathek/video/sulzbach-rosenberg-junge-leute-bauen-eigene-kirche-av:5a3a6ea6be905c0018156587

http://www.ardmediathek.de/tv/Abendschau-Gesichter-Geschichten-B/Projekt-Jugend-baut-Kirche/BR-Fernsehen/Video-Podcast?bcastId=5924750&documentId=39929582

Und der Link zum Architekten:

http://thiemannarchitektur.blogspot.de/2017/11/jugendkapelle-knappenberg_27.html

 

Mit dem Atelier-Container auf Reisen

Vom Bayerischen Wald ins Tote Gebirge

Die abenteuerliche Reise von Künstler Peter Lang und seinem Atelier-Container kann beginnen. Im März haben wir Peter bei seinen Vorbereitungen besucht. Vor uns liegen 24 Stunden, die es in sich haben. Peter will den Sommer über auf einer Alm bei Hinterstoder in Oberösterreich malen. Und dafür muss der neun Tonnen schwere Mal-Container auf 1800 Metern Höhe in das Tote Gebirge transportiert werden.

Der Abend zuvor: Die Vorbereitungen sind nahezu abgeschlossen, noch steht der Container geöffnet vor seinem Atelier in Gleißenberg im Landkreis Cham. Peter Lang ist aufgeregt. Und die Aufregung wird sich wohl erst legen, wenn der Container auf der Alm angekommen und aufgebaut ist. Für Peter heißt es jetzt für einige Monate Abschied nehmen von seinem Atelier und der Familie in Gleißenberg. Wobei sie ihn alle natürlich regelmäßig besuchen werden.

Vor einigen Wochen hat Peter die Einbauschränke im Container mit seinen Mal-Utensilien aufgefüllt, vor allem mit den hochwertigen Pigmenten. Kurz vor der Abreise sind einige Freunde gekommen, um ihn zu verabschieden und ihm beim Verladen zu helfen. Vor allem die Bodenplatten und Traversen für die Anbauten an den Atelier-Container müssen noch rein. Bis auf den letzten Zentimeter ist der Container angefüllt. Und erst gegen 11 Uhr am Abend können Peter, seine Freunde und seine Kinder den Container zuschließen.

 

Nur eine Stunde lang hat er geschlafen, dann geht es am nächsten frühen morgen los. Kurz nach fünf Uhr steht der Tieflader für den Container bereits vor der Tür. Die Verladung ist ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, was dem Container an diesem Tag noch bevor steht. Ein großer Kran kommt und hebt den knapp neun Tonnen schweren Atelier-Container auf den Tieflader.

Drei Stunden lang geht es über die Autobahn nach Österreich. Bei der Spedition wird der Container vom großen LKW auf einen kleineren umgeladen. Der soll den Container leichter auf den Berg hinauf bringen. Doch wird er die heftigen Steigungen schaffen und wird der Kran ausreichen, um den Container abzuladen? Zum Glück ist Fahrer Wolfgang Windischbauer ein echter Profi.

In Hinterstoder erwarten Architekt Robert Oberbichler und Bürgermeister Helmut Wallner bereits Peter Lang und seinen Container. Sie wollen ihr Dorf behutsam modernisieren und es auch im Sommer attraktiver für Besucher machen. Peter Lang ist der erste Künstler, der im Sommer in Hinterstoder arbeiten und seine Bilder ausstellen wird. Er ist damit Teil des auf mehrere Jahre angelegten Kunstprojektes „Landschaft revisited“, bei dem Künstler einen neuen und kritischen Blick auf die Natur werfen sollen. Peter scheint dafür mit seinen ungewöhnlichen Landschaftsportraits genau der richtige Künstler zu sein. Mit von der Partie außerdem seine Münchner Galeristin Fenna Wehlau, Almbesitzer Willi Jansenberger und Peter Langs erwachsene Kinder Lorenz, Louise und Gabriel.

Und dann geht es den Berg rauf. Ich darf im LKW von Wolfgang mitfahren. Zunächst geht es noch recht komfortabel eine geteerte Mautstraße entlang. Dann beginnt im Skigebiet von Hinterstoder ein Schotterweg. Wolfgang lädt für diesen Zweck den Container vom Hänger hinten auf den LKW. Der Kran des LKW ächzt unter der großen Last des Containers. Serpentine um Serpentine arbeitet sich das mehr als 20 Tonnen schwere Gefährt den steilen Berg hinauf. Später sagt Wolfgang: Hätte er sich zuvor den Weg angesehen, dann wäre er nicht hinauf gefahren. Doch jetzt ist er unterwegs und er nimmt alle Bodenrinnen und Unebenheiten im steilen Gelände mit hoher Professionalität. Und so landen wir auf der Höss-Alm auf gut 1800 Metern Höhe.

Doch wo soll der Container stehen? Die Interessen der Gemeinde und des Malers sind gegenläufig. Der Bürgermeister wünscht sich einen Standort nahe beim Berggasthof und der Bergstation der Seilbahn. Und Peter wünscht sich einen abgeschiedenen Ort, damit ihm nicht ständig Besucher auf die Finger schauen. Freilich sind ihm die auch willkommen, aber er braucht auch seine Ruhe. Und so finden sie schließlich einen Kompromiss: der Container steht unterhalb eines Sees für die Schneekanonen, neben einer Pumpstation. Die Webcam von Hinterstoder zeigt das Atelier unter freiem Himmel:

http://webtv.feratel.com/webtv/?cam=25060&t=1&design=v3&c0=0&c27=1&c3=0&c5=0&c6=0&c8=0&c11=0&c12=0&c13=0&lg=de&pg=121E2E32-862A-4791-8936-B41853615FB6&s=0

Es ist nach 16 Uhr als Wolfgang den Container ablädt und die Rückreise ins Tal antritt. Und dann geht es dann Aufbau. Unglaublich was alles im Inneren des ehemaligen Seecontainers steckt – ein komplettes Atelier, das unmittelbar vor dem Container aufgebaut wird. Mit Bodenplatte, Dachtraversen und Zeltplanen. Am Ende wird es rund sechs Stunden dauern bis das Container-Atelier zumindest soweit aufgebaut ist, das es sturm- und regensicher ist. Am nächsten Tag gehen die Feinarbeiten freilich noch weiter. Es ist schon dunkel als Peter zufrieden die Arbeit beendet, zu der auch noch seine Tochter Margret und seine Frau Gabi gekommen sind. Während des Aufbaus hat sich schon gezeigt, dass der Ort ideal ist. Denn die häufigen Wetterwechsel und der Blick auf das gegenüberliegende Tote Gebirge ist genau das, was Peter für seine Kunst braucht. In den nächsten Monaten werden wir ihn hier oben sicher wieder besuchen. Denn Peter will bleiben, bis der erste Schnee fällt.

Mein Beitrag aus der Abendschau vom 26. Juni 2017.