Unterwegs mit Islands Fischern, Basstölpeln, Kabeljau und “Quota”

Sie fischen auf ihre ganz eigene Art: die Basstölpel stehen in der Luft, trotz Wind stabil an einer Stelle, legen die Flügel an und stoßen wie ein Pfeil bis zu zehn Meter tief ins Meer. Um sie herum Hunderte von Möwen, die nicht annähernd so geschickt wie die Basstölpel die Fischabfälle der Fischtrawlers Magnus aus dem Breiðafjörður sammeln. Wir sind unterwegs mit Islands Fischern westlich der Insel im Nordatlantik.  Unterwegs mit Basstölpeln, Kabeljau und “Quota”.

Kurz vor 8 Uhr am Morgen startet die Magnus im Hafen von Rif auf der Halbinsel Snæfellsnes. Es ist noch dunkel als wir uns auf den Weg machen. Der beeindruckende Fischtrawler gehört Sigurður Sigurðsson (58), den hier alle nur Seggi nennen und Sohn Magnus Sigurðsson. Wie alle isländischen Männer tragen die beiden als Familiennamen den Vornamen ihres Vaters – mit einem „Sohn“ angehängt.

Fischgründe direkt vor der Hafenausfahrt

Eine lange Reise ist es nicht, denn die Fischgründe fangen direkt vor der Hafenausfahrt an. Die Fischer sind in einer privilegierten Situation, das Meer hier ist voller Fisch. 100 Fischerboote kommen in der Gemeinde Snæfellsnes auf 1700 Einwohner. Die Seefahrt ist wichtig, der Fisch wird vor Ort in einer großen Fischhalle verkauft und verlässt fangfrisch noch am gleichen Tag per LKW den Hafen von Rif.

Die Familie von Vater Seggi und Sohn Magnus fischt seit Generationen. Die Magnus ist ein stattlicher und moderner Fischtrawler. Das Schlüsselwort ist die „Quota“, die Fischereiquote. Sie wird in Island von Jahr zu Jahr für die unterschiedlichen Fischarten festgelegt.  Etwas mehr als 1000 Tonnen Fisch darf die Familie jedes Jahr fangen – hauptsächlich Kabeljau.  Die Fischsaison beginnt jeweils am 1. September und für die Saison 2018/19 haben die Isländer eine Quote von 262.000 Tonnen festgelegt. Jedes Jahr werden die Quoten wissenschaftlich untermauert neu bestimmt.

Die Fischereiquote

Einzelne Fischer haben bestimmte Quoten. Wenn sie erfüllt sind, stehen die Boote zumeist im Sommer zwei oder drei Monate still. Allerdings kann man anderen Fischern auch Quoten abkaufen. Es ist ein komplexes System. Island und Norwegen gehören zu den Ländern, die mit Erfolg die „Quota“ eingeführt haben. Die Fischbestände haben sich gut erholt seitdem es die Quote gibt.

Gefischt wird auf der Magnus mit ein bis zwei Meter breiten Netzen, die am Tag zuvor ausgebracht werden und mit  Bojen markiert sind. Es ist weniger das Netz, das die Fische fängt, erklärt Magnus – es sind die Seile links und rechts vom Netz; die Fische wollen nicht darüber schwimmen und werden so zwischen den Tauen im Netz gefangen. Gefischt wird heute in einer Tiefe zwischen 55 und 160 Metern.

Die Fischer suchen ihre Bojen und ziehen schließlich die Netze Meter für Meter herein, darin zappeln dicke viele Kilo schwere Kabeljau‘. Sie werden an Bord von acht Arbeitern und Juniorchef Magnus geschlachtet,  ausgenommen und eingelagert.

Am späten Vormittag kommt schließlich der Anruf vom Fischmarkt. Seggi sagt, wieviel Fisch er liefern kann und der Fischmarkt nennt den Preis. Je rauher die See und umso weniger Fischer draußen sind, umso besser der Preis. Gutes Wetter ist schlecht für den Preis sagt Seggi. Heute ist der Preis perfekt – und der Fang. 18 Tonnen Kabeljau ziehen die Fischer in fünf Stunden aus dem Nordatlantik. Für das Kilo Fisch bekommen sie heute 370 Isländische Kronen, etwa 2,60 Euro. Als wir am frühen Nachmittag zurück kommen, wird der Fisch schon erwartet. Gabelstapler stehen bereit und nehmen den gekühlten Fisch in großen Boxen in Empfang.

Und hier der Film zum Abenteuer:

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