Zu Fuß durch die “Fränkische”

Einfach zu Fuß loslaufen. Kleines Gepäck. Ein paar Gedanken im Kopf. Die Fränkische Schweiz als Ziel. Doch ist das im 21. Jahrhundert überhaupt noch angesagt – einfach ein paar Tage gehen, wandern? Wo doch aufgemotzte Autos, Cabrios, Motorräder oder mindestens Mountainbikes angesagt sind. Ja, wandern ist angesagt. Warum? Gründe gibt es viele. Freiheit, Gedanken, Kulinarisches, Landschaft, Langsamkeit, Menschen, Nachdenken, Natur, Ruhe, Selbsterfahrung, Traumhaft, Tiere. Und im Laufe meiner Wanderung kommt noch eine wichtige Erkenntnis dazu … Ich möchte Euch Mut machen, es selbst auszuprobieren. Viele träumen davon.

Vorbereitung

Die Vorbereitung: einen Ausgangspunkt wählen, der gut mit dem Zug zu erreichen ist. Mit der Anreise per Bahn stimmt man sich gut ein und nimmt schon mal ordentlich Tempo raus. Denn darum geht es ja. Mein Ausgangspunkt ist Forchheim.  Und rund um Bamberg soll die Tour enden. Gut drei Tage nehme ich mir Zeit; wie ich finde eine vernünftige Länge, vor allem weil ich ja keine Routine habe. Wichtig für mich: wenig Gepäck. Ich bringe es vielleicht auf sieben Kilo: Wechselkleidung, Lesestoff, Notizbuch, Fotoapparat, kleines Proviant, ein Liter Wasser, Wanderstöcke, Ladegerät und -kabel, Powerbank, Handy, denn ich habe mich für die App “Komoot” entschieden. Mit ihr finde ich mich gut zurecht, auch wenn sie manchmal viel zu umständlich ist. Sie braucht aber viel Strom und deshalb gehört die Powerbank zur Grundausstattung. Jetzt braucht es nur noch etwas Mut und los geht’s.

Wanderung

Ich starte in Forchheim, Heimat. Der Kellerwald seit jeher ein magischer Ort. Unter riesigen Laubbäumen geht man “auf den Keller”. Eine fränkische Eigenart. Die Keller waren einst die Stollen, in denen man das Bier kühl lagerte. Heute kann man dort wunderbar Brotzeit machen. Noch ein paar Kilometer weiter ist Serlbach meine erste Station; eine Nacht im Gasthaus zu den Linden.

Die beste Entscheidung meiner Wanderung: früh loslaufen angesichts der Hitze  – Start mit dem ersten Licht um 5.30 Uhr. Der Tag beginnt und ich laufe dem magischen “Walberla“, für mich der Berg der Franken, entgegen. Offiziell heißt der Berg Ehrenbürg, 531 m hoch. Soll schon ein Kultplatz der Kelten gewesen sein – das verwundert nicht, denn bis heute hat das Walberla – der Name stammt vermutlich von der heiligen Walburga – eine ganz besondere Anziehungskraft. Die Fotos vom Walberla oben.

Abstieg Richtung Leutenbach – alle Dörfer liegen im Tal und ich sammle ordentlich Höhenmeter. Wieder rauf durch einen schattigen Buchenwald auf die Höhe in Richtung Hetzelsdorf. Der Brauereigasthof Penning-Zeissler dort ein Muss. Diese Kombination von schattigen Wanderwegen in phantastischen Wäldern und weiten freien Strecken auf den Höhenzügen der Fränkischen und dazu die Brauereien und Keller in markanten Dörfern – das macht die “Fränkische” aus.

Weiter geht’s: von Hetzelsdorf über Wannbach, entlang des Terrassen des nahezu ausgetrockneten Weißenbach in Richtung Ebermannstadt. Dann komme ich am historischen Judenfriedhof von Pretzfeld und dem neuen Friedwald von Ebermannstadt vorbei. 28 Kilometer die erste große Tagesetappe bis Ebermannstadt.

Am Ende sind es rund 80 Kilometer von Forchheim über Ebermannstadt und Streitberg bis Bamberg.

Am nächsten Tag zunächst ein kleiner Schlenker durchs Wiesenttal nach Streitberg. Die Sonne geht über der Ruine Neideck auf und erhellt nach und nach Streitberg – magische Momente. Auf dem “Frankenweg” hoch über Streitberg, weiter Richtung Unterleinleiter, Tiefenstürmig, Tiefenhöchstädt, den Sender Kälberberg, Mistendorf bis nach Geisfeld – nach 34 km Belohnung auf dem Keller der Brauerei Griess.

Und schließlich am letzten Tag durch den Hauptsmoorwald hinein nach Bamberg, noch einmal gut 10 km.

Erkenntnisse

“Hart aber herzlich” und pragmatisch, so sind die Franken. Ehrlich interessierte Menschen begegnen mir, die sich gerne in Gespräche verwickeln lassen. Sei es auf dem Mountainbike oder auf dem Keller. Nur Wanderer, die begegnen mir kaum. Stattdessen – wenn man immer tiefer in den eigenen Wanderrhythmus eintaucht – Kopfschütteln über die Fortbewegung der Menschen. Da werden die schicksten Cabriolets und die fettesten Maschinen bewegt – die eigenen Füße werden kaum noch gebraucht. Der “FD”, der Fränkische Tag, bei dem ich einst mein journalistisches Handwerk erlernte und der mich auf der Wanderung begleitet, schreibt auf Seite 2 groß vom Klimawandel. Ich erlebe den Wandel Tag für Tag. Das ausgetrocknete Plateau des “Walberla”, vertrocknete Mais-Wüsten mit aufgebrochenen wüstenartigen Böden auf so manchem Hochplateau in der “Fränkischen”. Wir erregen uns über Donald Trump und andere, die den Klimawandel einfach leugnen. Dabei leugnen wir ihn durch unser auto-mobiles Verhalten ja selber Tag für Tag. Selbst die geringsten Strecken zum liebevollen Dorfladen von Unterleinleiter legen die Einheimischen noch mit dem Auto zurück.

Bei so einer Wanderung lernt man die Natur von einer anderen Seite kennen. Rehkitz, Ringelnatter und Feldhasen – intakte Wälder, die auch bei größter Hitze kühl bleiben – die Wanderung lehrt einen so manche Achtsamkeit – vor der Natur, vor einem selbst, vor anderen. Zur Nachahmung empfohlen!

 

 

 

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